Börsen-Brief
Family Philanthropy als wichtiger Bestandteil der Family Governance in Familienunternehmen
Familienunternehmen sind immer nur so erfolgreich wie die Familie hinter dem Unternehmen. Ebenso wie das Unternehmen benötigt die Familie Regeln und Strukturen, um langfristig erfolgreich zu sein. Unternehmerfamilien sollten daher eine eigene Family Governance entwickeln, genauso wie auch das Unternehmen eine individuelle Corporate Governance braucht, die auf die besonderen Bedürfnisse und Herausforderungen von Familienunternehmen zugeschnitten ist (siehe Börsen-Brief vom 21.09.2011 auf www.berenberg.de).
Die Family Governance gibt der Familie eine Struktur, die der eines Unternehmens ähnelt: Von der Führung durch die Wahl eines Familiensprechers bis hin zur Einrichtung eines Familienrates, vergleichbar mit dem Beirat eines Unternehmens. Mit einer Familienverfassung gibt sich die Familie ein Regelwerk (Familienverfassung), das – ähnlich wie der Gesellschaftsvertrag – Vereinbarungen über die Rechte und Pflichten sowie über die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander regelt. Beispielsweise werden Kommunikations- und Konfliktregeln aufgestellt und der Außenauftritt festgelegt. Die Familie formuliert ihre gemeinsamen Werte und Ziele sowohl im Unternehmen als auch in der Familie und klärt die Rollen der einzelnen Akteure. Gelebt und umgesetzt wird Family Governance in „operativen Einheiten“, in denen jedoch nicht Umsatz erwirtschaftet wird, sondern der Zusammenhalt der Familie manifestiert und Familienemotionalität entwickelt wird. Die operativen Einheiten des Unternehmens „Familie“ sind dabei genauso individuell wie die Familie selbst. Gemeinsamen Familienaktivitäten (z.B. Familientage oder Familienreisen) haben das Ziel, den Familienzusammenhalt zu etablieren und zu stärken. Auch die Vermittlung von Fachwissen und Wissen über die eigene Familie können den Zusammenhalt vertiefen. Oft bietet sich die gemeinschaftliche Verwaltung des nicht-unternehmerisch gebundenen Vermögens in einem Family Office als weitere Einheit an. Eine wesentliche Säule stellt darüber hinaus das gemeinsame philanthropische Engagement dar.
Family Philanthropy gibt es in den unterschiedlichsten Ausgestaltungen: Von der einmaligen, projektbezogenen Spende über die regelmäßige Unterstützung gemeinnütziger Einrichtungen bis hin zu strategischem Spenden oder Stiften, z.B. mit der Gründung einer eigenen gemeinnützigen Stiftung. Diese Form von Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung kann den Familienmitgliedern eine gemeinsame Plattform und Aufgabe bieten und dadurch den Familienzusammenhalt fördern. Darüber hinaus prägt philanthropisches Engagement das Bild der Familie und des Unternehmens in der Öffentlichkeit. Es verbindet Generationen und Familienstämme und bietet eine Möglichkeit, gemeinsam das Werteverständnis der Unternehmerfamilie zu artikulieren und zu leben. Family Philanthropy stärkt das Verantwortungsgefühl gerade der jüngeren, heranwachsenden Generationen, die z.B. durch eine Betätigung in der gemeinnützigen Stiftung der Familie sowohl an das Familienvermögen herangeführt werden als auch Erfahrungen in der Wirtschaftswelt sammeln können. Je stärker das philanthropische Engagement von Anfang an strategisch geplant und durchgeführt wird, desto höher wird die damit erreichte soziale Wirkung sein.
Family Governance und Family Philanthropy sind wertvolle Instrumente und verdienen es, professionell geplant zu werden, um ihre volle Wirkung in allen Facetten zu entfalten.
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