Familienfremde Teilhaber – »Joh. Berenberg, Gossler & Co.«

Im Jahre 1768 starb Senator Paul Berenberg (IV) kinderlos. Sein Bruder Johann, mit dem zusammen er die Firma geleitet hatte, verlor im selben Jahr den einzigen Sohn. In 175 Jahren hatten fünf Generationen der Familie Berenberg der Firma ihren Namen gegeben und sie sehr erfolgreich dem Wandel der Zeit angepasst. Jetzt blieb als Erbin nur Johann Berenbergs einzige Tochter Elisabeth.
Um den Fortbestand der Firma auch über seinen Tod hinaus zu sichern, öffnete Johann Berenberg (III) sie für einen neuen Teilhaber. Er fand ihn in Johann Hinrich Gossler, dem Spross einer Hamburger Familie, die seit dem 14. Jahrhundert in Hamburg ansässig war. Gossler hatte im Hause Berenberg gelernt, war 1761 nach Cadiz gegangen, arbeitete dann in Frankreich und kam 1768 nach Hamburg zurück – ein erfahrener Kaufmann, der drei Fremdsprachen fließend beherrschte und vielseitige Kenntnisse und Interessen hatte. Er hielt um die Hand von Elisabeth Berenberg an, im Dezember 1768 heirateten sie und kurz darauf trat er als Partner in die Firma ein, die er nunmehr gemeinsam mit seinem Schwiegervater unter dem Namen »Johann Berenberg & Gossler« leitete, bis Johann Berenberg (II) 1772 starb.
Mit Johann Hinrich Gossler kam frische Kraft in das Unternehmen. Ohne den Warenhandel aufzugeben, förderte er den finanzwirtschaftlichen Zweig und konnte das Geschäft erheblich erweitern. Im Jahre 1788 nahm er einen neuen Partner auf: Ludwig Edwin Seyler, der ebenfalls in der Firma gelernt hatte und mit Gosslers ältester Tochter Anna Henriette verheiratet war.
1791 wurde der Name des Hauses in »Joh. Berenberg, Gossler & Co.« geändert – seitdem ist er unverändert geblieben. Nach mehr als zweihundertjähriger Geschäftstätigkeit, in deren Verlauf mit den jeweiligen Inhabern stets auch der Name wechselte, hatte sich jetzt der Begriff der Firma gebildet; man erkannte den Wert, den der angesehene Name in sich trägt.

