Die Berenberg Art Consult auf der Frieze und Frieze Masters in London

Es gibt sie jedes Jahr, die „Frieze-Woche“. Am Anfang, 2003, stand ein einzelnes großes Zelt im Regent’s Park. Es signalisierte Großbritannien und anderen Orten Westeuropas, dass die zeitgenössische Kunst nicht länger allein den Londoner Galerien oder dem berühmten Charles Saatchi gehörte. Das kam an, und die Frieze expandierte bald darauf nach New York und verdoppelte sich vor drei Jahren durch ein zweites, edleres Zelt. Seitdem besucht man in London im Oktober in grauen statt in weißen Kojen auch die „Frieze Masters“. Sie zeigt weder viele alte Meister noch besonders meisterliche Werke der Moderne, aber man kann hier angenehm flanieren und ist beeindruckt, was die Kunst bis zum Ende des 20. Jahrhunderts bis heute vermag, denn sie scheint uns zu sagen, dass sie immer teurer werden wird, falls man sie übersehen oder nicht rechtzeitig gekauft haben sollte. 

Die helle weiße Messe Frieze will jünger sein als die Art Basel, die edle graue Frieze Masters will mit der TEFAF in Maastricht konkurrieren. Beides gelingt bis heute nicht wirklich, aber die gesamte Kunstszene Londons hat sich in den letzten Jahren kolossal bewegt. Aus Mayfair, dem besonders wohlhabenden Viertel Großbritanniens, ist der mit Abstand attraktivste Kunsthandelsplatz Europas geworden. Die besonders qualitätsvollen Galerien aus den USA haben hier frisch sanierte Räumlichkeiten bezogen und zahlreiche neue gebaut. Nicht nur Gagosian, Hauser & Wirth, auch Dominique Lévy, Daniella Luxembourg, Pace Gallery, Per Skarstedt oder David Zwirner aus New York sind nun auch in London zu Hause. Monika Sprüth mit Philomene Magers und Michael Werner spielen aus Deutschland mit, so dass die älteren Galerien hier, zum Beispiel Sadie Coles, Timothy Taylor, Leslie Waddington, White Cube oder die weiter entfernten Adressen wie Lisson Gallery oder Victoria Miró in bester Gesellschaft und damit unter ständiger Beobachtung sind. 

Letztes Jahr eröffnete Marian Goodman eine fabelhafte neue Galerie, dieses Jahr kam Larry Gagosian mit einer pünktlich fertig gestellten dritten Londoner Filiale auf dem Grosvenor Hill hinzu. Für das nächste Jahr haben sich Monika Sprüth und Philomene Magers größere Räumlichkeiten vorgenommen. Man bummelt deshalb heute durch ein Mayfair mit mehr als zwanzig vorzüglichen Galerien. Man gelangt von Sotheby’s aus zu dem 2014 eröffneten, superschönen Gebäude von Phillips, wo der Evening Sale am Frieze-Dienstag im Oktober auch dadurch auffiel, dass alle 37 Lose verkauft wurden, während es bei Christie’s in der King Street zwei Tage später bei 57 Werken immerhin 15 Rückgänge gab.

London, angeblich noch immer ein Dorf, häutet sich unentwegt. Man fühlt, dass unter jedem edlen Panzer, der hier abfällt, ein nochmals attraktiveres Kostüm hervortritt. Während Phillips auch dadurch reüssieren konnte, dass es den Umsatz verdoppelte, während die Kollegen von Sotheby’s erfolgreich waren, indem sie einmal wieder etwas besser als Christie’s abschnitten, glänzte das weltweit erfolgreichste Auktionshaus Christie’s mit einem kleinen dunkelblauen Raum, der den nächsten „Curated Evening Sale“ in New York im November 2015 ankündigte. Vor den vereinzelten Werken von Modigliani, Freud oder Warhol war Ehrfurcht angesagt.

Das seit wenigen Jahren scheinbar wichtigste Ziel der beiden großen Auktionshäuser, Kunstwerke zu immerhin neunstelligen Summen zu verkaufen, ist in London nur die eine Seite der Medaille. Sie ist mit Garantien, umfassenden Publikationen und hohem Risiko verbunden. ,Zur anderen Seite gehört, dass Phillips mit seinen hohen Investitionen geschmacklich im Bereich Contemporary die Nase vorn hat, während die Frieze in ihren zwei parallelen Teilen so etwas wie der große Rummelplatz geworden ist, an dem man sich tagsüber tummelt, um sich auch selbst zu zeigen. Das Publikum ist neugierig und illuster. „Everyone must wear a scarf“, beobachtete die Financial Times, um den frischesten Modetrends, die man hier sah, einen Artikel zu widmen. Es sind längst nicht mehr Sammler und Künstler allein, die im Oktober nach London kommen, es sind ebenso Schauspieler, Sportler, viele junge Unternehmer und natürlich Schaulustige. Die Frieze Week bedeutet für Berenberg, dass das Private Banking ausgewählten Kunden mehrere Tage lang persönliche Einblicke und exklusive Informationen bietet. Kurz zuvor hatte Berenberg in seinem London Office mehr als zwanzig neu erworbene Werke von Thomas Ruff aufgehängt. Es handelt sich um Beispiele der 2014 begonnenen „Negativ“-Serie, die sich auf die besonders klassischen Sujets der Fotografiegeschichte bezieht. Die Arbeiten sind klein, aber sehr stark.

Was ist das Ergebnis der Frieze? Es gab wenige neue Trends, die fand man am stärksten auf dem „1:54 Contemporary African Art Fair“ im Somerset House, wo uns zum zweiten Mal die 1974 geborene Nigerianerin Otobong Nkanga auffiel. Die Frieze selbst zeigte Meisterwerke von Jeff Wall bei Johnen und Schippers, Glenn Brown bei Max Hetzler, Robert Longo bei Thaddaeus Ropac oder Adrián Villar Rojas bei Marian Goodman. In der Zahl waren es gar nicht sehr viele. In den Galerien überraschten uns die „Colour Charts“ von Gerhard Richter bei Dominique Lévy, die mit einer Ausnahme nicht einmal verkäuflich waren. Das Highlight in London war, wie kaum anders zu erwarten, die Ausstellung der Bildnisse von Francisco di Goya, beginnend mit der Darstellung des aufgeklärten Ministers unter der spanischen Krone, Floridablanca, der mit seinem hellem Antlitz und einer knallroten Jacke aus dem Bild nach vorne strebt, während ihm Goya, der Hofmaler, mit einem seiner Gemälde im Halbdunkel begegnet. Ein sprechendes Werk, das uns zeigt, dass nur die allerbeste Kunst einen tiefen Eindruck macht. 

Blickt man noch einmal auf die jüngst vergangenen Auktionen und den Messeverlauf, so bemerkt man als Resultat der Frieze-Woche auch eine Veränderung: Der Markt schließt nicht mehr so fest. Die allzu vielen Werke werden heute Gott sei dank lieber dreimal, viermal angeschaut und selbst dann nicht gleich verkauft. Einzelne junge Künstler, ob Adrian Ghenie oder Lynette Yiadom-Boakye, genießen ihren maximalen Erfolg nun schon im dritten Jahr. Auch Peter Doig erscheint noch immer als das große, malende Wunderkind. Und der seit vielen Jahren hoch gehandelte Italiener Lucio Fontana gilt nach wie vor als Wegweiser, sowohl für die Kunstgeschichte als auch die Auktionsergebnisse. Indem sein ovales, fantastisches „Concetto Spaziale. La Fine de Dio“ einschließlich Aufgeld bei Sotheby’s knapp 16 Mio. Pfund Sterling einspielte, kann man sagen, dass die Welt in London noch immer in Ordnung ist. Aber ist die Gunst der Götter für die Kunst weiterhin positiv ? Wir hoffen es. Sicher scheint zu sein: die Frieze-Woche wird auch 2016 hochinteressant. Die Berenberg Art Consult wird die ältere wie die neueste Kunst auch dann einem genauen Blick unterziehen. „Art Is an Emotional Asset“ — aber man sollte ihr mit Vernunft begegnen.

Berenberg Wappen