Ein Gründer im Zeichen des Bären

Er lächelt verschmitzt, seine wachen braunen Augen blicken nach links, das leicht gelockte braune, schulterlange Haar ist in der Mitte korrekt gescheitelt. Über dem schwarzen Gewand trägt er um den Hals einen großen viereckigen weißen Kragen, mit der rechten Hand hält er dem Betrachter ein rundes Medaillon mit dem Familienwappen, einem Bären, entgegen. Cornelius Berenberg ist der Erste in der Ahnenreihe der Familie, von dem ein Porträt überliefert ist. Ein Ölbild von sich malen zu lassen, ist um die Wende vom 17. zum 18.
Jahrhundert ein seltener Luxus, ein Zeichen, dass der Porträtierte ein ebenso wichtiger wie wohlhabender Mann ist.
Der 1634 in Hamburg geborene Kaufmannssohn ist gerade 6 Jahre alt, als sein Vater Hans Berenberg jr. 1640 stirbt. Er beendet die Schule und tritt nach seiner Lehre in die Handelsfirma ein, die von seinen älteren Brüdern Rudolf und Johann sowie seinem Onkel Andreas geleitet wird. Der junge Cornelius erweist sich schon bald als weitsichtiger, wagemutiger Kaufmann und große Persönlichkeit, die dem Unternehmen Berenberg neue Horizonte eröffnet. Sein Traditionsbewusstsein mischt sich mit hanseatischem Bürgersinn. Er ist bereits in dritter Generation als Kaufmann in Hamburg aktiv. Sein Großvater Hans und dessen Bruder Paul waren Ende des 16. Jahrhunderts wie die Familien Amsinck, Verpoorten oder Groenedal als niederländische Emigranten an die Elbe gekommen und hatten 1590 ihr Handelshaus begründet.

Dank guter Kontakte in alle Teile Europas haben die Brüder Erfolg mit dem Handel von Tuchen, Getreide, Gewürzen und Salz. Binnen weniger Jahre steigen sie zu einem der
umsatzstärksten Unternehmen der Stadt auf. Selbst in den mörderischen Wirren des 30jährigen Krieges bleibt Hamburg mit geschicktem Taktieren neutral, zum Nutzen seiner
Kaufleute. Die Berenbergs steigern ihre Umsätze um das Dreifache. Doch anders als seine Vorfahren, die sich stets als Niederländer in Hamburg empfunden haben, ist Cornelius der
Erste, der sich ganz als Hamburger fühlt. Für ihn beginnt die Familiengeschichte mit der Firmengründung 1590. Er will sein hanseatisches Bewusstsein auch nach außen hin
dokumentieren: Am 20. Juni 1684 leistet er als erster Berenberg den hamburgischen Bürgereid. Fortan können seine Nachfahren auch in öffentlichen Ämtern aktiv werden.
Denn Hamburg erlaubt das auch seinen Neubürgern, wenn sie denn Vermögen und ein ererbtes Haus besitzen.

Zwar beherrscht inzwischen die holländische Flotte die Weltmeere und den Überseehandel, doch Cornelius Berenberg nutzt jede Chance, seine internationalen Geschäfte auszuweiten.
So ist er beteiligt, als 1670 von Hamburg aus zum ersten Mal 40 Walfangschiffe nach Grönland auslaufen. Als „Partenreeder“ ist er nicht nur an Fang- und Frachtfahrten beteiligt, er kauft auch Waltran, lässt ihn zu Schmier- und Leuchtöl, zu Seife und Pomade und medizinischen Salben verarbeiten und exportiert die Fertigprodukte.
Cornelius Berenberg beteiligt sich ebenfalls an Seeversicherungen, die gegen Zahlung einer Prämie für bestimmte Schäden eintreten. Die Familie ist Mitglied der Vereinigung
Hamburger Assecurateure und Mitbegründer der „Commerzdeputation“ der „Zur See handelnden Kaufleute“, aus der später die Handelskammer entsteht.

Internationale Geschäfte und Tätigkeiten als Bankier
Cornelius ist der erste Berenberg, der nachweislich als Bankier aktiv ist. 1619 war die „Hamburger Bank“ gegründet worden, die Berenbergs gehörten zu den Gesellschaftern. Damals existieren im „Römischen Reich Deutscher Nation“ hunderte von Währungen mit schwankenden Kursen.
Die an den Silberstandard gebundene hamburgische „Mark Banco“ wird für Generationen zu einer der stabilsten in Europa, ebenso wie der niederländische Gulden, der 200 Jahre lang aus 9.6 Gramm Feinsilber geprägt wird. Schon damals existiert in Europa ein System des bargeldlosen Zahlungsverkehrs.
Geld wird nicht von Hamburg aus über weite Strecken in Münzen transportiert, stattdessen kann ein Gläubiger in Leipzig bei einem Händler mit Schulden in Hamburg sein Geld einfordern, abgerechnet wird an der Börse. Amsterdam ist damals größter Börsenplatz, später übernimmt London diese Position. In Deutschland wird Hamburg als Handelsmetrople
auch Finanzzentrum.

Cornelius Berenberg finanziert die Geschäfte von Kollegen und gibt Hypothekendarlehen. Da es damals noch keine Aktien gibt, bietet die Hypothek eine gute Möglichkeit, die im Handelsgeschäft nicht benötigten Gelder zinsbringend anzulegen oder die eigene Liquidität durch Hypothekengelder zu stärken. Cornelius Berenberg verdient außerdem gut beim Wechseln der zahlreichen deutschen und europäischen Währungen. Wegen seines hohen Ansehens wird er mit zahlreichen Testamentsvollstreckungen beauftragt und in viele Kuratorien berufen.

Als Cornelius Berenberg 1711 im Alter von 77 Jahren stirbt, hinterlässt er seinen Söhnen Rudolf und Johann ein blühendes Unternehmen.

Berenberg Wappen