Privatbank

Das Bankhaus in der Gründerzeit

Börse 1840

Der Handel in der Hansestadt blühte. Die zunehmende Bedeutung von Schifffahrt und Industrie fand ihren Niederschlag in der Gründung zahlreicher neuer Aktiengesellschaften.

Joh. Berenberg, Gossler & Co. gehörte in diesen Jahren zu den Gründern der Hapag (1847), des Norddeutschen Lloyd (1857), der Ilseder Hütte (1858), der Norddeutschen Versicherungs-AG (1857) und der Vereinsbank in Hamburg (1856). Aufgrund der Aktivitäten der Bank im Ausland wurde sie u. a. Gründungsaktionär der Bergens Privatbank in Bergen (1855), der Hongkong and Shanghai Banking Corporation HSBC (1865), der Den Danske Landmandsbank in Kopenhagen (1871) und der Svenska Handelsbanken Stockholm (1871).

In Verbundenheit mit seinen großmütterlichen Vorfahren gab Johann Heinrich Gossler seinem ältesten Sohn die Vornamen Johann Berenberg – genannt wurde er John B. Im Jahre 1864 trat John B. Gossler als Teilhaber in das Bankhaus ein. Der Hamburger Senat genehmigte 1880 die Änderung des Familiennamens in Berenberg-Gossler.
Zum Zeitpunkt der Reichsgründung 1871 war John B. seit sechs Jahren Partner des Bankhauses. In der Kaufmannschaft der Hansestädte Hamburg und Bremen bestanden erhebliche Vorbehalte gegen die mit der Reichsgründung verbundenen handelspolitischen Konsequenzen. So entbrannte ein langwieriger Kampf um den schließlich 1888 vollendeten Zollanschluss Hamburgs an das Deutsche Reich.

Im Gegensatz zu vielen seiner Standesgenossen verfocht John Berenberg-Gossler energisch die Sache der Zolleinheit, verbunden mit der Planung eines Freihafens für Hamburg. In Anerkennung hier erworbener Verdienste erhielt er 1889 den preußischen Adel. 1910 folgte die Erhebung in den preußischen erblichen Freiherrnstand, geknüpft an den Besitz des Familiengutes Niendorf, das in ein Fideikommiss umgewandelt wurde.

Während man sich in Hamburg über diese Erhebung in den Adelsstand mokierte (Bürgermeister Burchard: »Ein Hamburger Kaufmann kann überhaupt nicht erhoben werden.«) und sich auch die eigene Familie Gedanken machte (John B.s Schwester Susanne Amsinck: »Aber John, unser guter Name!«), war der Titel außerhalb Hamburgs wohl eher von Vorteil.

Für Joh. Berenberg, Gossler & Co. waren die Gründerjahre sehr erfolgreich, und um die Jahrhundertwende erreichte das Haus eine Kapitalkraft, die es ihm ermöglichte, die an Wirtschafts- und Bankenkrisen reiche Zeit bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs gänzlich unbeschadet zu überstehen.

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