Börsenbrief
Die bevorstehende Zinswende erfordert ein aktives Anleihenmanagement
Mit starken Worten hat die Europäische Zentralbank (EZB) am vergangenen Donnerstag die Zinswende eingeleitet. EZB-Präsident Trichet bezeichnete das Zinsniveau nicht mehr als „angemessen“ und verschärfte die Inflationsrhetorik spürbar. Gleichzeitig wurde die Inflationsprognose für dieses Jahr deutlich auf 2,3 % angehoben. Die Projektion liegt über der von der EZB tolerierten Preissteigerungsrate und würde bei den derzeitigen Kurzfristzinsen negative Realzinsen bedeuten. Angesichts der gut laufenden Konjunktur und des ölgetriebenen Preisschubs dürfte die EZB präventiv die geldpolitische Schraube bereits ab dem Frühjahr – und damit deutlich früher als erwartet – schrittweise anziehen.
Der Gegenwind an den Anleihenmärkten wird also spürbar stärker. Nicht nur, dass die Rendite zweijähriger deutscher Staatsanleihen als Reaktion auf die EZB-Ankündigung um 20 Basispunkte nach oben sprang. Ohnehin bewegte sich die kurzfristige Rendite seit Jahresbeginn fast nur aufwärts. Viel bedeutsamer ist die Frage, ob der langfristige, seit 30 Jahren anhaltende Abwärtstrend der Kapitalmarktzinsen nun sein Ende findet. Durch die Finanzmarktkrise war Sicherheit in Form von Staatsanleihen bester Bonität teuer geworden. Jetzt wendet sich das Blatt: Neben der bevorstehenden Zinswende tragen die nachlassenden Globalisierungswirkungen, die zunehmende Staatsverschuldung der Industrieländer und der härter werdende Verteilungskampf um Rohstoffe dazu bei, dass sich die Kapitalmarktzinsen von ihren historischen Tiefs gelöst haben.
Für den konservativen Investor sollte die jüngste Entwicklung Anlass sein, seine Anleihenstrategie zu überprüfen. Passiven klassischen Renteninvestments, die auf Kapitalerhalt oder „Inflationsrate plus x“ setzen, drohen zukünftig Verluste. Da Renteninvestments aber als Baustein der Vermögensdiversifikation unverzichtbar sind, kann eine Lösung im aktiv gemanagten Mandat liegen. Dieses setzt vor allem an zwei Stellen an:
Erstens kommt dem aktiven Durations- und Laufzeitenmanagement bei steigenden Zinsen eine wichtige Bedeutung zu. Da das Zinsumfeld und die Zinsstrukturkurve die optimale Laufzeitenstrategie beeinflussen, lässt ein aktiver Ansatz hier Vorteile erwarten. Die modifizierte Duration zeigt an, wie sensitiv der Kurs einer Anleihe auf Zinsänderungen reagiert. Sie lässt sich auf Portfolioebene durch den Einsatz von Zins-Futures schnell und effizient verändern. Durch einen opportunistischen Ansatz im Rahmen der taktischen Portfoliosteuerung kann so auch im ungünstigen Zinsumfeld eine zufriedenstellende Rendite erzielt werden.
Zweitens kann der Portfoliomanager in ausgewählte Unternehmensanleihen investieren und das Kreditrisiko, der jeweiligen Marktsituation angepasst, steuern. Verluste infolge steigender Renditen können sich durch die im Vergleich mit Staatspapieren höheren Coupons der Unternehmensanleihen teilweise kompensieren lassen. Dabei kommt der Auswahl der Emittenten eine hohe Bedeutung zu, da die Einzeltitelauswahl einen wesentlichen Erfolgsfaktor, aber auch eine zusätzliche Risikoquelle darstellt. Die permanente und lückenlose Überwachung aller Positionen sowie detaillierte Informationen über die Kreditmärkte und Unternehmensratings helfen, Verlustgefahren einzudämmen und Risiken frühzeitig zu erkennen.
Im Zusammenspiel beider Strategien im Rahmen eines aktiven Mandats können die negativen Folgen steigender Zinsen abgefedert werden, ohne dass auf die Basisverzinsung und die Diversifikationseigenschaften einer Rentenanlage verzichtet werden muss.
Silke Krüger (040) 350 60-513
Joachim Beckmann (040) 350 60-234
Neuer Jungfernstieg 20
20354 Hamburg
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