Neue Aufgaben

Als »Discount and Acceptance House« erfreute sich Joh. Berenberg, Gossler & Co. weit über die Grenzen Hamburgs hinaus eines ausgezeichneten Rufes. Schifffahrt und Versicherungswesen bildeten eine natürliche Ergänzung zum angestammten Geschäft. Als nach der Besetzung durch die französischen Revolutionsarmeen Amsterdam als Wechselplatz ausfiel, rückte Hamburg an seine Stelle. Den hanseatischen Häusern, den Geld-, Fonds- und Wechselmaklern sowie den Merchant-Bankern wie Joh. Berenberg, Gossler & Co. boten sich damit neue Tätigkeitsfelder.
Zu den privatwirtschaftlichen Aufgaben der Merchant-Banker gesellte sich in zunehmendem Maße auch die Geldbeschaffung für Regierungsstellen. England – darauf bedacht, die von der Französischen Revolution ausgelösten Unruhen von sich fern zu halten – stellte Mittel zur Verfügung, mit denen es Preußen und vor allem Österreich gegen Frankreich unterstützte. Der Transfer wurde über Hamburger, Wiener und Frankfurter Bankiers abgewickelt – ein Teil dieser Geschäfte entfiel auch auf Joh. Berenberg, Gossler & Co.
Johann Hinrich Gossler hat diese sehr erfolgreichen Jahre um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert nicht mehr erlebt. Er war 1790 im Alter von nur 52 Jahren gestorben. Sein Sohn Johann Heinrich trat 1798 in die Firma ein.
Im November 1806 besetzten die napoleonischen Truppen auch Hamburg. Die Verfügung der Kontinentalsperre traf die Stadt schwer. Das Wirtschaftsleben siechte für Jahre dahin. Über die kleinen schleswig-holsteinischen Hafenplätze Glücksburg und Tönning als Ausweichquartier ließ sich der Handel nur notdürftig aufrechterhalten. Nach dem Ende der Freiheitskriege erholte die Stadt sich jedoch erstaunlich rasch, zumal England großzügige Kredite gewährte.
Großbritannien, von jeher ein wichtiger Partner, nahm fortan für die Wirtschaft der Hansestadt ständig an Bedeutung zu, die Beziehungen zu den kontinentalen Ländern traten dagegen zurück. Neu kam der Verkehr mit den jungen südamerikanischen Staaten und vor allem mit Nordamerika hinzu.

