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Berenberg/HWWI-Studie Digitalökonomie: „Die Welt vernetzt sich völlig neu“

Hamburg. Die Digitalisierung verändert Wirtschaft und Gesellschaft von Grund auf – und das mit zunehmender Geschwindigkeit. Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ wird bereits von der nächsten industriellen Revolution gesprochen. „Die Welt vernetzt sich völlig neu“, sagt Dr. Jörn Quitzau, Volkswirt bei Berenberg. „Alle Lebensbereiche und Märkte sind davon betroffen, von Mobilität über Bildung bis hin zur Gesundheitsversorgung. Wer die digitale Transformation versäumt, bleibt in der neuen Welt außen vor.“ Die Privatbank Berenberg und das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) haben in ihrer aktuellen Studie das Thema Digitalökonomie untersucht. „Alte Wettbewerbsvorteile und Marktanteile geraten durch disruptive Innovationen unter Druck. Dabei bricht eine neue digitale Gründerzeit an: Wettbewerbsfähig bleibt, wer Wagniskapital mit neuen Ideen verbindet“, sagt Prof. Dr. Henning Vöpel, Direktor des HWWI. „Gerade Deutschland muss sein bislang erfolgreiches Wirtschaftsmodell vor dem Hintergrund der Digitalisierung und des demografischen Wandels erneuern.“
  • Zusätzliches jährliches Wertschöpfungspotenzial in Deutschland liegt 

bis 2030 bei etwa 17 bis 25 Mrd. Euro 

Zwei wesentliche Elemente stellen die nächste Stufe des digitalen Umbruchs in der industriellen Wertschöpfung dar: die Kommunikation zwischen Maschinen und die intelligente Auswertung von großen Datenmengen (Big Data). So ermöglichen neue digitale Anwendungen zunehmend auch branchenfremden Unternehmen in Märkte vorzudringen und etablierte Strukturen zu verändern. Alte Geschäftsmodelle geraten unter Druck.  


„Neue Geschäftsmodelle werden die Struktur bestehender Märkte grundlegend verändern. Die Verknüpfung unterschiedlicher Branchen wird zunehmen; klassische Marktgrenzen werden sich mehr und mehr aufheben“, sagt Berenberg-Experte Quitzau. Es wird nicht einmal mehr eindeutig möglich sein zu klassifizieren, wer Konsument und wer Produzent ist. In der „Share Economy“ sind Konsumenten oft zugleich Produzenten, wenn sie ihre Konsumgüter anderen zur Mitnutzung anbieten. Zudem deutet sich ein Kulturwandel an: Besitz verliert, und Nutzungsmöglichkeiten gewinnen an Bedeutung.


Der grundlegende Strukturwandel ist nichts Neues. Industrie 4.0 steht als Synonym für die inzwischen vierte industrielle Revolution. Die Zeiträume, innerhalb derer sich die Revolutionen vollziehen, werden allerdings immer kürzer. „In der Digitalökonomie werden Märkte geschaffen, die nach dem Prinzip »The winner takes it all« funktionieren. Schnelligkeit ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für Unternehmer und Unternehmen, denn es besteht die Aussicht auf globale marktbeherrschende Stellungen. Das aktuell rasante Tempo der Veränderung kann damit maßgeblich erklärt werden“, sagt Quitzau. 


Die Experten beziffern das zusätzliche jährliche Wertschöpfungspotenzial in Deutschland durch Industrie 4.0 bis zum Jahr 2030 auf 17 bis 25 Mrd. Euro. Der digitale Wandel trägt etwa neue Dynamik in die Automobilindustrie und den Mobilitätsmarkt. Vernetzten Verkehr zu gestalten, Sharing Modelle anzubieten und ausgereifte Digitalausstattung zu gewährleisten, sind dabei entscheidende Aspekte der Zukunftsfähigkeit im Mobilitätssektor. Zudem ist der 3D-Druck eine Technologie, die im Rahmen der Digitalisierung über großes Wachstumspotenzial verfügt. Mit digitalen Druckplänen können Güter lokal hergestellt werden, zum Beispiel Vorprodukte, Investitions- und Konsumgüter. Auch der Finanzsektor bleibt von der Digitalisierung nicht verschont. So gehört neben dem Zahlungsverkehr und dem Kreditgeschäft auch das Portfoliomanagement zu den Bereichen, die den Druck der sogenannten „Fintechs“ zu spüren bekommen. 


Die deutsche Wirtschaft ist für den digitalen Wandel grundsätzlich gut aufgestellt. 
Ein Kernelement der deutschen Industrie ist die Fähigkeit, sich rasch und umfassend an den globalen Strukturwandel anzupassen. Die Digitalisierung markiert dabei einen neuen Megatrend. Allerdings gibt es Schwachstellen wie etwa in der digitalen Infrastruktur und Softwareentwicklung. „Deutschland muss die infrastrukturellen, rechtlichen und regulatorischen Voraussetzungen schaffen, um einen digitalen Wandel zu ermöglichen“, sagt Henning Vöpel. Auch das schnelle Aufgreifen und Umsetzen von Ideen und Konzepten ist nicht durchgängig in der deutschen Wirtschaft anzutreffen. „Das Gründungsgeschehen in Deutschland ist im internationalen Vergleich deutlich unterdurchschnittlich. Von einem Venture-Capital-Markt kann im Grunde nicht gesprochen werden. Die mentale Innovationsbremse muss in Deutschland dringend überwunden werden, sonst suchen sich gute technische Ideen aus Deutschland ihre Finanzierung und ihren Standort anderswo.“ 

Für die Wirtschaftspolitik ist der digitale Wandel in vielerlei Hinsicht herausfordernd. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Digitalisierung der Wirtschaft deutlich mehr Arbeitsplätze vernichten wird als neue Stellen geschaffen werden“, sagt Berenberg-Volkswirt Jörn Quitzau. „Die Lernfähigkeit von Computern und die Auswertung von Big Data können dazu führen, dass auch Arbeitsplätze für Höherqualifizierte gefährdet werden.“ Mit der Digitalisierung verbinden sich zudem weitreichende gesellschaftliche und ordnungspolitische Fragen, wie etwa Eigentum und Nutzung von Daten, Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung. „Damit stellen sich auch ethische und normative Fragen, für die in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik Antworten entwickelt werden müssen“, sagt HWWI-Direktor Vöpel. 

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