Berenberg in der nationalen und internationalen Presse

Sicherheitsindustrie bleibt ein Wachstumsmarkt

Hamburg/Berlin. Die Privatbank Berenberg und das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) haben in ihrer aktuellen Studie das Thema Sicherheit untersucht. „Wir leben in einer Zeit erhöhter Gefährdung“, sagt Prof. Dr. Henning Vöpel, Direktor des HWWI. „Dies hat im Wesentlichen damit zu tun, dass wir tiefgreifende geopolitische und technologische Umbrüche in der Welt erleben. Es fehlt vor allem ein funktionsfähiger globaler Ordnungsrahmen zur Begrenzung und Lösung von Konflikten, die sich zu globalen Krisen ausweiten und verschärfen.“ Sicherheit ist eines der zentralen Bedürfnisse des Menschen. Je unsicherer die Zeiten, desto größer die Bereitschaft, zusätzliche Ressourcen zur Herstellung von Sicherheit aufzuwenden. „Die Sicherheitsindustrie wird ein Wachstumsmarkt bleiben“, sagt Wolfgang Pflüger, Volkswirt bei Berenberg. „Ob geopolitische Konflikte, internationaler Terrorismus, Gewaltkriminalität oder Cyber-Risiken – es gibt viele akute Gründe, um in Sicherheitsmaßnahmen zu investieren.“

Geopolitische Konflikte  

Das Thema Sicherheit steht angesichts eines unsicheren Zustands der Welt ganz oben auf der Agenda von Politik und Wirtschaft. Anfang 2016 wurden insgesamt 42 Konfliktherde gezählt. Als Folge der globalen Bedrohungslage sind die Sicherheitsausgaben zuletzt weiter gestiegen. Dies zeigt sich etwa in den weltweiten Militärausgaben, die sich der Marke von 1,8 Billionen US-Dollar nähern. Unangefochtene Nummer eins in diesem Segment bleiben die USA mit knapp 600 Mrd. US-Dollar, sehr großes Wachstum verzeichnet allerdings China. „Die internationale Politik steht vor großen Herausforderungen, ob beispielsweise der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, die Bekämpfung des Islamischen Staates (IS) oder die Lösung der Flüchtlingskrise. Die Politik ist gefordert, die entsprechenden Institutionen und rechtlich-regulatorischen Voraussetzungen zu schaffen, um mehr Sicherheit zu gewährleisten“, sagt Vöpel.

Internationaler Terrorismus

Eine latente Bedrohungslage ist durch die wiederholten Terroranschläge in den letzten Jahren entstanden. Nach Europa ist diese Gefahr vor allem mit den Terroranschlägen von Paris am 13. November 2015 zurückgekehrt. Außerhalb Europas hat die Gefahr terroristischer Anschläge ebenfalls zugenommen. Vor allem in Kriegs- und Krisenregionen wie dem Irak, Afghanistan oder Nigeria ist die Zahl der Todesopfer durch Terroranschläge am höchsten. Die Bedrohung durch terroristische Anschläge hat sich aber auch auf andere, stärker touristisch geprägte Länder und Gebiete wie Türkei, Tunesien oder Ägypten ausgeweitet. Insgesamt sind die Kosten durch Terrorismus in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Der internationale Terrorismus verursachte im Jahr 2014 direkte Kosten in Höhe von geschätzt rund 53 Mrd. US-Dollar, so viel wie nie zuvor. 

Konjunkturell waren die Folgen der Terroranschläge in der Vergangenheit für die betroffenen Länder überschaubar – vor allem, wenn es sich um einmalige Anschläge auf große Volkswirtschaften handelt. Bei weniger entwickelten Ländern können Anschlagsserien hingegen erhebliche Auswirkungen haben. Die wirtschaftliche Entwicklung kann spürbar geschädigt werden, besonders in den stark betroffenen Branchen Tourismus, Transport und Versicherung. „Längerfristig kann Terror den Wohlstand der betroffenen Länder ernsthaft gefährden, wenn staatliche Maßnahmen wie etwa stärkere Personen-, Straßen- oder Grenzkotrollen zur Terrorabwehr sowie strengere Importvorschriften den bislang reibungslosen Handel hemmen. Dies betrifft insbesondere aufstrebende Volkswirtschaften, die stark von ausländischem Kapital und Importen aus den Industrieländern abhängen“, so Pflüger. 

Digitalisierung und Cyber-Risiken 

Auch der Datenschutz wird durch die aktuelle und anstehende Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft massiv und schnell weiter an Bedeutung gewinnen. Für 2020 wird mit einer Verfünffachung des weltweiten Datenvolumens gegenüber dem Jahr 2015 gerechnet. Die Komplexität der Datensicherheit wird darüber hinaus zunehmen. Plattformen, auf denen große Mengen an Daten (Big Data) gehandelt werden, die Entwicklung von künstlicher Intelligenz oder der Austausch von Programmdateien im Rahmen der 3-D-Drucktechnologie werfen Fragen der Datensicherheit, des Datenschutzes und der Versicherung von Datenrisiken auf. „Die digitale Globalisierung und die mit ihr einhergehende Vernetzung unterschiedlichster Teile der Welt hat die Risikolage bei der Datensicherheit verändert“, sagt HWWI-Direktor Vöpel. Die entstanden Kosten aus der Cyber-Kriminalität wurden 2014 auf etwa 400 Mrd. US-Dollar geschätzt.

Kriminalität

Eine gewisse alltägliche Form der Unsicherheit von privaten Haushalten resultiert aus Wohnungseinbrüchen, Diebstahl und Erpressung. Gerade die Wohnungseinbrüche haben in Deutschland zuletzt stark zugenommen. Während es 2010 noch 120.000 Wohnungseinbrüche waren, ist die Zahl 2015 auf 167.000 gestiegen. Das macht einen Anstieg von einem Drittel. Die Versicherungsleistung hat im gleichen Zeitraum um 50 %, von 350 Mio. Euro auf 530 Mio. Euro, zugenommen. Der durchschnittliche Schaden liegt bei 3.000 Euro, die Aufklärungsquote ist mit rund 15 % recht niedrig. „Bei privaten Lösungen ist eine Zunahme von Sicherheitsdiensten im Bereich von Personen- und Objektschutz zu beobachten. Unter dem Stichwort „Home Security“ gibt es neue digitale Technologien, die im privaten Hausgebrauch immer stärker eingesetzt werden und einen interessanten Zukunftsmarkt darstellen“, sagt Pflüger. 

Sicherheitsindustrie aus Anlegersicht

Die Prognose der Berenberg/HWWI-Studie „Sicherheitsindustrie“ aus dem Jahr 2008 für das Wachstum des Sicherheitsmarktes (+7,8 % p. a. – und damit eine annähernde Verdoppelung des Marktvolumens) hat sich erfüllt. 2015 wurden die globalen Ausgaben im Bereich der Sicherheitsindustrie auf 244 Mrd. US-Dollar geschätzt. „Wir erwarten, dass sich dieser Wachstumstrend auch künftig fortsetzen wird“, sagt Wolfgang Pflüger. Teilmärkte der Sicherheitsindustrie sind 

1. Der Homeland-Defence-Markt. Die Gewährleistung der Inneren Sicherheit gehört zu den originären staatlichen Aufgaben. Hierzu zählen die Nachvollziehbarkeit aller grenzüberschreitenden Personen- und Warenbewegungen und der Schutz der sogenannten kritischen Infrastruktur (See- und Flughäfen, Energie- und Wassererzeugung, öffentliche Einrichtungen). Westeuropa dürfte in den kommenden Jahren die höchsten Wachstumsraten in diesem Segment aufweisen. Der durchschnittliche Anstieg p. a. könnte 13,4 % erreichen, das Marktvolumen von 85 Mrd. US-Dollar 2015 auf 146 Mrd. US-Dollar 2020 anziehen. 


2. Sicherheitsdienste, Objekt- und Personenschutz, Alarmanlagen, Videoüberwachung, Werttransporte, Sicherung von Großveranstaltungen. Ewa 70 % der Umsätze von weltweit etwa 140 Mrd. US-Dollar werden von Unternehmen generiert, 10 % von institutionellen Abnehmern, der Rest von Privatpersonen. Die großen Schwellenländer werden mit zweistelligen Wachstumsraten an der Spitze der Wachstumspyramide stehen. Global hingegen ist nur mit einem Anstieg um jährlich 3 bis 5 % zu rechnen. 


3. Netzwerk- und Datenschutz – Cyber Security. Schutz von Infrastruktur, Netzwerken, internetfähigen Endgeräten, Softwareanwendungen. Im Kampf gegen die Cyber-Kriminalität wird zwischen 2015 und 2020 ein Marktwachstum um durchschnittlich 9,8 % p. a. von 106,3 Mrd. US-Dollar auf 170,2 Mrd. US-Dollar erwartet. Teilbereiche wie sicheres Cloud Computing oder die Datensicherung für die Nutzung mobiler Kommunikationsgeräte dürften überproportional expandieren.

Für Kapitalanleger ergeben sich im Sicherheitsbereich interessante Anlagemöglichkeiten. Neben einer Vielzahl von Einzeltiteln gibt es mittlerweile auch eine Reihe von Fondsprodukten bzw. Indexzertifikaten. Stellvertretend für diese Produktkategorie ist der SGI Global Security Index zu nennen. Im Vergleich zum DAX und zum EURO STOXX 50 gelang dem Global Security Index von Januar 2008 bis Mai 2016 eine deutlich höhere Wertsteigerung. 

Fazit

Sicherheit wird eines der Mega-Themen der Zukunft bleiben. Es lässt sich darüber hinaus eine zunehmende Internationalisierung von Sicherheitsrisiken feststellen. Dies erfordert verstärkt international koordinierte und harmonisierte Sicherheitsmaßnahmen. Das derzeit zu beobachtende Vakuum an Sicherheit erzeugt einen wachsenden privaten Sicherheitsmarkt, der sehr unterschiedliche Facetten aufweist. „Angesichts der Zukunftsrelevanz des Themas Sicherheit und der zu erwartenden technologischen Innovation bei Sicherheitsprodukten und Sicherheitsdienstleistungen ist und bleibt Sicherheit ein interessantes Thema für Investoren und Anleger“, resümiert Berenberg-Volkswirt Wolfgang Pflüger.  

Leiter Unternehmens-Kommunikation

Karsten Wehmeier
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