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Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie vor dem Hintergrund der eigenen Historie kraftvoll die Gegenwart gestalten und dabei stets die Zukunft im Blick haben.

Firmengeschichte

Die Reformation und der Weg an die Elbe
Die Geschichte der Berenbergs lässt sich bis ins ausgehende 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Familie stammt ursprünglich aus dem Bergischen Land. Auf dem Hof Groß-Berenberg wurde 1465 Thillmann Berenberg geboren. Schon von ihm ist bekannt, dass er mit Tuchen gehandelt hat. Sein Sohn Jan ging zunächst ins nahe Köln, zog Anfang des 16. Jahrhunderts aber weiter nach Lier, das vor den Toren Antwerpens liegt. Bereits im Jahre 1515 erwarb er dort als "Thillmans zon de Coelenaere" das Bürgerrecht.
Antwerpen bot ideale Handelsbedingungen.

Um 1550 war es die reichste und geschäftigste Stadt Europas; bis zu 500 Schiffe senkten und lichteten hier täglich ihre Anker. Es war die Zeit der großen Entdeckungen und damit der wirtschaftlichen Neuorientierung Europas nach Westen – und es war zugleich eine Epoche blutiger Glaubensauseinandersetzungen.

Im Jahre 1585 wurden die niederländischen Protestanten vor die Wahl gestellt, entweder zum katholischen Glauben überzutreten oder das Land zu verlassen, und wie Tausende ihrer Glaubensbrüder machten sich die protestantischen Berenbergs auf die Suche nach einer neuen Heimat. Sie fanden sie in Hamburg.

Firmengründung in Hamburg
1590, als Hans und Paul (II) Berenberg ihre Firma gründeten, lebten etwa 1.000 Niederländer in Hamburg. Die Stadt erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung, der maßgeblich von diesen Refugianten getragen wurde. Neben Handwerkern waren es vor allem in Handel und Finanzierung erfahrene Kaufleute.

Die Brüder Berenberg, die Tuchhandel und allgemeine Im- und Exportgeschäfte betrieben, waren offenbar strebsam und erfolgreich. 1594 finden sich ihre Namen in der Sammlungsliste der Niederländischen Armencasse, einer noch heute bestehenden Institution zur Unterstützung in Not geratener Schicksalsgenossen. Anfang des 17. Jahrhunderts waren von den 42 Firmen, die Umsätze über 100.000 Mark verzeichneten, 32 niederländischen Ursprungs. Die Brüder Berenberg standen an fünfzehnter und sechzehnter Stelle.

Anfangs waren die Niederländer in Hamburg noch gewissen Beschränkungen unterworfen. So war es Ausländern verboten, innerhalb der Stadtgrenzen mit anderen Ausländern Geschäfte zu tätigen. Viele Niederländer wurden daraufhin Bürger der Stadt, wozu Hans und Paul (II) Berenberg sich jedoch nicht entschließen konnten. 1604 erließ der Rat dann ein liberaleres Mandat, das Ausländern nun den freien Handel mit neuen Luxusgütern erlaubte, mit rheinischen Weinen etwa, ungarischem Kupfer, Indigo, Elefantenzähnen oder Gewürzen. Kurze Zeit später wurden die ausländischen Händler den Hamburger Bürgern sogar gleichgestellt - Hamburg betrieb eine recht pragmatische Politik.

Cornelius Berenberg wird Bürger Hamburgs

Im Dreißigjährigen Krieg, von 1618 bis 1648, der weite Teile des Deutschen Reiches und ganz besonders Norddeutschland verheerte, blieb die Stadt neutral.

Sie belieferte Freund und Feind, wurde zum Lagerhaus, Bankenplatz und Versammlungsort Europas und konnte ihren Wohlstand stetig vermehren.

Um 1660 nahm mit Cornelius Berenberg bereits die dritte Generation am Hamburger Wirtschaftsleben teil. Ohne seine niederländische Herkunft zu verleugnen, betrachtete er sich doch in erster Linie als Hamburger Kaufmann und leistete 1684 als erster Berenberg den Bürgereid. Damit eröffnete er den nachfolgenden Generationen die Möglichkeit, in allen öffentlichen Ämtern tätig zu werden. Anders als in anderen Städten waren die Regierungsgeschäfte nicht den alten Geschlechtern vorbehalten. Zugewanderte Familien konnten hier verhältnismäßig schnell in offizielle Funktionen eintreten, sofern sie über Vermögen verfügten und ein Haus besaßen.

Cornelius leitete die Firma ein halbes Jahrhundert. Er intensivierte den Warenhandel weit über die Grenzen Deutschlands hinaus, vertiefte die Beziehungen zu den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Portugal im Westen, zu Skandinavien im Norden, Russland im Osten und Oberitalien im Süden. Nützlich waren dabei die weit verzweigten verwandtschaftlichen Beziehungen, vor allem nach Lissabon und Livorno, wo sich - wie in Hamburg - wirtschaftlich bedeutende Kolonien von niederländischen Glaubensflüchtlingen angesiedelt hatten. Aus Livorno kamen italienische Seiden, Samt und andere Stoffe, vor allem aber war die dortige Kaufmannschaft die Brücke zum Orient mit seinem Reichtum an Gewürzen. Lissabon lieferte Kolonialerzeugnisse und kaufte aus Hamburg deutsche Manufakturwaren.

Vom Handelshaus zur Bank

In Ermangelung eines funktionierenden Bankensystems übernahmen die Kaufleute früher selbst die Finanzierung der Warengeschäfte.

Sie gewährten ihren Kunden Kredite und bevorschussten die Sendungen ihrer Lieferanten. Die Vielzahl der verschiedenen Währungen bot außerdem die Basis für ein umfangreiches Wechselgeschäft mit guten Verdienstmöglichkeiten. Auch Cornelius Berenberg mehrte sein im Handel erworbenes Vermögen durch die Übernahme von Geld- und Versicherungsgeschäften und betätigte sich zunehmend als Bankier.

Nach seinem Tod im Jahre 1711 übernahmen seine Söhne Johann (II) und Rudolph (III) Berenberg die Firma. 1735 wurde Rudolph (III) in den Rat der Stadt gewählt, die Firma daraufhin in "Johann und Herr Rudolph Berenberg" umbenannt – mit der Stellung als Ratsherr war eine besondere Bonität verbunden. Der hamburgische Handel belebte sich damals rasch. Als Antwort auf den preußischen Merkantilismus wurde Hamburg 1727 zum "porto transito" erklärt: Es verzichtete fast vollständig auf Durchfuhrzölle und wurde ein sich allen Räumen öffnender Freihafen.

Auch der Siebenjährige Krieg (1756-63), in den halb Europa einbezogen war, brachte der hamburgischen Wirtschaft wieder deutliche Vorteile und förderte sowohl den Warenhandel als auch das Kreditgeschäft. Durch den ständigen Geldbedarf der kriegführenden Nationen wurde eine ungeheure Geldzirkulation in Gang gebracht. Am Ende des Krieges ging nicht nur das Warengeschäft abrupt zurück. Auch das Wechselgeschäft brach zusammen und zahlreiche Banken und Firmen gingen in Konkurs. Auch die Berenberg´sche Firma geriet in Schwierigkeiten und musste durch die schnell eingerichtete Darlehenskasse, durch die der Rat der Stadt grundsätzlich gesunden Unternehmen über die vorübergehende Illiquidität hinweghalf, gestützt werden. Ihr wurde ein Siebtel des gesamten Kassenvolumens zur Verfügung gestellt, was wohl nur mit dem hohen Ansehen, das Firma und Familie in Hamburg genossen, zu erklären ist.

Familienfremde Teilhaber - "Joh. Berenberg, Gossler & Co."

Im Jahre 1768 starb Senator Paul Berenberg (IV) kinderlos. Sein Bruder Johann, mit dem zusammen er die Firma geleitet hatte, verlor im selben Jahr den einzigen Sohn.

In 175 Jahren hatten fünf Generationen der Familie Berenberg der Firma ihren Namen gegeben und sie sehr erfolgreich dem Wandel der Zeit angepasst. Jetzt blieb als Erbin nur Johann Berenbergs einzige Tochter Elisabeth.

Um den Fortbestand der Firma auch über seinen Tod hinaus zu sichern, öffnete Johann Berenberg (III) sie für einen neuen Teilhaber. Er fand ihn in Johann Hinrich Gossler, dem Spross einer Hamburger Familie, die seit dem 14. Jahrhundert in Hamburg ansässig war. Gossler hatte im Hause Berenberg gelernt, war 1761 nach Cadiz gegangen, arbeitete dann in Frankreich und kam 1768 nach Hamburg zurück - ein erfahrener Kaufmann, der drei Fremdsprachen fließend beherrschte und vielseitige Kenntnisse und Interessen hatte. Er hielt um die Hand von Elisabeth Berenberg an, im Dezember 1768 heirateten sie und kurz darauf trat er als Partner in die Firma ein, die er nunmehr gemeinsam mit seinem Schwiegervater unter dem Namen "Johann Berenberg & Gossler" leitete, bis Johann Berenberg (II) 1772 starb.

Mit Johann Hinrich Gossler kam frische Kraft in das Unternehmen. Ohne den Warenhandel aufzugeben, förderte er den finanzwirtschaftlichen Zweig und konnte das Geschäft erheblich erweitern. Im Jahre 1788 nahm er einen neuen Partner auf: Ludwig Edwin Seyler, der ebenfalls in der Firma gelernt hatte und mit Gosslers ältester Tochter Anna Henriette verheiratet war.

1791 wurde der Name des Hauses in "Joh. Berenberg, Gossler & Co." geändert. Nach mehr als zweihundertjähriger Geschäftstätigkeit, in deren Verlauf mit den jeweiligen Inhabern stets auch der Name wechselte, hatte sich jetzt der Begriff der Firma gebildet; man erkannte den Wert, den der angesehene Name in sich trägt.

Neue Aufgaben

Als "Discount and Acceptance House" erfreute sich Joh. Berenberg, Gossler & Co. weit über die Grenzen Hamburgs hinaus eines ausgezeichneten Rufes.

Schifffahrt und Versicherungswesen bildeten eine natürliche Ergänzung zum angestammten Geschäft. Als nach der Besetzung durch die französischen Revolutionsarmeen Amsterdam als Wechselplatz ausfiel, rückte Hamburg an seine Stelle. Den hanseatischen Häusern, den Geld-, Fonds- und Wechselmaklern sowie den Merchant-Bankern wie Joh. Berenberg, Gossler & Co. boten sich damit neue Tätigkeitsfelder.

Zu den privatwirtschaftlichen Aufgaben der Merchant-Banker gesellte sich in zunehmendem Maße auch die Geldbeschaffung für Regierungsstellen. England - darauf bedacht, die von der Französischen Revolution ausgelösten Unruhen von sich fern zu halten - stellte Mittel zur Verfügung, mit denen es Preußen und vor allem Österreich gegen Frankreich unterstützte. Der Transfer wurde über Hamburger, Wiener und Frankfurter Bankiers abgewickelt - ein Teil dieser Geschäfte entfiel auch auf Joh. Berenberg, Gossler & Co.

Johann Hinrich Gossler hat diese sehr erfolgreichen Jahre um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert nicht mehr erlebt. Er war 1790 im Alter von nur 52 Jahren gestorben. Sein Sohn Johann Heinrich trat 1798 in die Firma ein.

Im November 1806 besetzten die napoleonischen Truppen auch Hamburg. Die Verfügung der Kontinentalsperre traf die Stadt schwer. Das Wirtschaftsleben siechte für Jahre dahin. Über die kleinen schleswig-holsteinischen Hafenplätze Glücksburg und Tönning als Ausweichquartier ließ sich der Handel nur notdürftig aufrechterhalten. Nach dem Ende der Freiheitskriege erholte die Stadt sich jedoch erstaunlich rasch, zumal England großzügige Kredite gewährte. Großbritannien, von jeher ein wichtiger Partner, nahm fortan für die Wirtschaft der Hansestadt ständig an Bedeutung zu, die Beziehungen zu den kontinentalen Ländern traten dagegen zurück. Neu kam der Verkehr mit den jungen südamerikanischen Staaten und vor allem mit Nordamerika hinzu.

Dependance in der Neuen Welt

Johann Heinrich Gossler (II) wurde 1821 Mitglied des Rates der Stadtrepublik.

Seine Generation führte alle jene Reformen durch, die der Stadt Hamburg ermöglichten, ihre führende Rolle als Wirtschafts- und Finanzplatz auch im 19. Jahrhundert zu bewahren und auszubauen.

Der Senator erkannte frühzeitig den Wert guter Verbindungen zu den aufstrebenden Vereinigten Staaten. 1828 schickte er seinen ältesten Sohn, Johann Heinrich Gossler (III), nach Boston. Zur Nutzung der dortigen Verbindungen errichtete dieser gemeinsam mit einem anderen jungen Deutschen die Firma Gossler & Knorre, Boston. Nacheinander traten seine Brüder, später die Söhne und Neffen, für einige Jahre in die Leitung dieses Unternehmens ein. Unter dem Namen Gossler & Co. spielte es zusammen mit seiner Niederlassung in New York bis zum Jahre 1902 eine wichtige Rolle in den Geschäften des Hamburger Stammhauses.

In Boston heiratete Johann Heinrich Gossler (III) im Jahre 1829 Mary Elizabeth Bray, Enkelin von Samuel Eliot, der sich um die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten verdient gemacht hatte. Ein Jahr später zog das Paar nach Hamburg, wo Johann Heinrich (III) in das Familienunternehmen eintrat. Nach dem Tod des Vaters, Senator Johann Heinrich Gossler (II), im Jahr 1842 führte er mit seinem Bruder Wilhelm die Firma fort, die sich in immer stärkerem Maße zum Bankhaus entwickelte.

Das Bankhaus in der Gründerzeit
Der Handel in der Hansestadt blühte. Die zunehmende Bedeutung von Schifffahrt und Industrie fand ihren Niederschlag in der Gründung zahlreicher neuer Aktiengesellschaften.

Joh. Berenberg, Gossler & Co. gehörte in diesen Jahren zu den Gründern der Hapag (1847), des Norddeutschen Lloyd (1857), der Ilseder Hütte (1858), der Norddeutschen Versicherungs-AG (1857) und der Vereinsbank in Hamburg (1856). Aufgrund der Aktivitäten der Bank im Ausland wurde sie u. a. Gründungsaktionär der Bergens Privatbank in Bergen (1855), der Hongkong and Shanghai Banking Corporation HSBC (1865), der Den Danske Landmandsbank in Kopenhagen (1871) und der Svenska Handelsbanken Stockholm (1871).

In Verbundenheit mit seinen großmütterlichen Vorfahren gab Johann Heinrich Gossler seinem ältesten Sohn die Vornamen Johann Berenberg - genannt wurde er John B. Im Jahre 1864 trat John B. Gossler als Teilhaber in das Bankhaus ein. Der Hamburger Senat genehmigte 1880 die Änderung des Familiennamens in Berenberg-Gossler. Zum Zeitpunkt der Reichsgründung 1871 war John B. seit sechs Jahren Partner des Bankhauses. In der Kaufmannschaft der Hansestädte Hamburg und Bremen bestanden erhebliche Vorbehalte gegen die mit der Reichsgründung verbundenen handelspolitischen Konsequenzen. So entbrannte ein langwieriger Kampf um den schließlich 1888 vollendeten Zollanschluss Hamburgs an das Deutsche Reich.

Im Gegensatz zu vielen seiner Standesgenossen verfocht John Berenberg-Gossler energisch die Sache der Zolleinheit, verbunden mit der Planung eines Freihafens für Hamburg. In Anerkennung hier erworbener Verdienste erhielt er 1889 den preußischen Adel. 1910 folgte die Erhebung in den preußischen erblichen Freiherrnstand, geknüpft an den Besitz des Familiengutes Niendorf, das in ein Fideikommiss umgewandelt wurde.

Während man sich in Hamburg über diese Erhebung in den Adelsstand mokierte (Bürgermeister Burchard: Ein Hamburger Kaufmann kann überhaupt nicht erhoben werden.) und sich auch die eigene Familie Gedanken machte (Johns Schwester Susanne Amsinck: Aber John, unser guter Name!), war der Titel außerhalb Hamburgs wohl eher von Vorteil.

Für Joh. Berenberg, Gossler & Co. waren die Gründerjahre sehr erfolgreich, und um die Jahrhundertwende erreichte das Haus eine Kapitalkraft, die es ihm ermöglichte, die an Wirtschafts- und Bankenkrisen reiche Zeit bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs gänzlich unbeschadet zu überstehen.

Zwei Weltkriege

Die Firma, der Besitz in Niendorf sowie der Titel gingen 1913 nach dem Tod von John Freiherr v. Berenberg-Gossler auf dessen Sohn und Partner Cornelius (III) über.

Diesem fiel die schwere Aufgabe zu, das Unternehmen durch zwei Weltkriege zu steuern und den Wiederaufbau zu leiten. Die Wirtschaft kam nach 1918 zwar zunächst wieder in Gang, doch führten die Inflation, die 1923 ihren Höhepunkt erreichte, sowie die Deflation und die sich daran anschließende Weltwirtschaftskrise von 1929/30 zu ständig neuen, schwersten Belastungen.

Im Kreditgewerbe kam es zu einer Welle von Fusionen und Geschäftsaufgaben. Cornelius suchte 1930 die Zusammenarbeit mit einem stärkeren Institut. Dieses fand er in der befreundeten Darmstädter und Nationalbank (Danatbank), doch als 1931 die deutsche Bankenkrise eskalierte, ging die gefährdete Danatbank selbst auf Weisung der neu geschaffenen Bankenaufsicht in der Dresdner Bank auf. Cornelius gelang es, seine Firma zur alleinigen freien Verfügung zurückzuerhalten und ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Angesichts der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen er keinen Raum mehr für eine traditionell im Außenhandel engagierte Bank sah, beschloss er 1932, sein Haus aus dem aktiven Bankgeschäft zurückzuziehen.

Die Firma Joh. Berenberg, Gossler & Co. überstand die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft als Holdinggesellschaft, in der die Beteiligungen der Firma zusammengefasst wurden, u. a. an zwei kleineren Privatbanken, die vornehmlich im Vermögensverwaltungsgeschäft tätig waren. Zahlreiche Tagebucheintragungen belegen, dass Cornelius Freiherr v. Berenberg-Gossler den Nationalsozialismus entschieden ablehnte. Nach der Annexion des Sudetenlandes und dem Anschluss Österreichs schrieb er 1938: "Lieber ein kleiner, anständig geführter Staat als ein solch großes Reich, wie Deutschland es heute ist, ohne Recht und Anstand, mit einer Regierung von Räubern und Mördern."

Er unterstützte bedrohte Geschäftsfreunde und Bekannte, einigen konnte er zur Flucht verhelfen. Am 3. Mai 1945, als englische Truppen in Hamburg einmarschierten, schrieb der 71-jährige in sein Tagebuch: "Nun heißt es, mit den Folgen des Krieges fertig zu werden und allmählich zu versuchen, den Kindern bei dem Aufbau ihrer Zukunft zu helfen."

Der Neubeginn

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beschlossen Cornelius Freiherr v. Berenberg-Gossler und sein Sohn Heinrich, der bereits 1935 als Partner in die Firma eingetreten war, das aktive Bankgeschäft der seit mehr als 350 Jahren bestehenden Firma wieder aufzunehmen.

Im Zuge dessen wurde die Hamburger Filiale der Norddeutschen Kreditbank, Bremen, übernommen, da sich die Bremer, in Folge des Bizonengesetzes, davon trennen mussten. Im Gegenzug erhielt die Norddeutsche Kreditbank eine Beteiligung. Am 21. Juni 1948, dem Tage nach der Währungsreform, öffnete die alte Firma ihre Schalter im neuen Domizil am Alten Wall.

In den stürmischen Aufbaujahren fand Joh. Berenberg, Gossler & Co. ein weites Betätigungsfeld. Industrielle Wiederbelebung und der beginnende Außenhandel brachten einen großen Teil alter Kunden zurück und die Auslandsverbindungen früherer Jahre konnten schnell wieder aufgenommen werden. 1953 starb Cornelius Freiherr v. Berenberg-Gossler. Die Leitung der Firma lag nunmehr in den Händen von Heinrich Freiherr v. Berenberg-Gossler und August Rohdewald, bis dieser 1961 ausschied, um einer Berufung in den Vorstand der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Frankfurt am Main zu folgen. Die erfolgreiche Geschäftsentwicklung machte eine Erweiterung des Partnerkreises wünschenswert.

So trat 1961 Heinz A. Lessing und 1968 Joachim H. Wetzel, der der Bank seit 1952 angehörte, als persönlich haftende Gesellschafter in die Firma ein. Die Norddeutsche Kreditbank ist 1974 als Gesellschafter ausgetreten. Ein Anteil von 25 % wurde seitdem von der Norddeutschen Landesbank, Hannover, gehalten und 2010 von der PetRie Beteiligungsgesellschaft und der Familie zurückgekauft.

Berenberg – verantwortungsvolles Handeln aus Prinzip

Die persönliche Haftung der Inhaber gewährleistet eine besondere Unabhängigkeit von Konzerninteressen, ein strenges Risikomanagement sowie Kontinuität in der Unternehmensführung. In den 430 Jahren seiner Existenz wurde Berenberg gerade einmal von 40 persönlich haftenden Gesellschaftern geführt. Als unabhängige Privatbank fühlt sich Berenberg auch heute ausschließlich seinen Kunden verpflichtet.

Die hohe Qualität unserer Dienstleistungen wird regelmäßig in verschiedenen Rankings gelobt. Der Wille, uns ständig weiterzuentwickeln, ohne unsere historischen Wurzeln zu vernachlässigen, hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Zu mehr als einer Bank: zu einem Beratungshaus und zuverlässigen Partner, der seinen Kunden mit Vernunft, Respekt, Weitblick und Wissen begegnet. Oder kurz gesagt: Verantwortungsvolles Handeln ist unser Prinzip.

Verschmitztes Gemüt mit Weitsicht

Mit bereits jungen 16 Jahren steigt Cornelius Berenberg in die Handelsfirma seines Vaters ein und erweist sich schon bald als weitsichtiger Kaufmann. Dank seiner Impulse wird das Unternehmen Berenberg binnen weniger Jahre zu einem der umsatzstärksten der Stadt Hamburg. – Wussten Sie übrigens, dass er der erste in der Ahnenreihe ist, von dem es ein Porträtbild in Öl gibt?

Wie der Name Berenberg erhalten bleibt

Nach 175 Jahren in der fünften Generation bleibt das Unternehmen Berenberg zum ersten Mal ohne männlichen Nachfolger. Einzig Tochter Elisabeth kann den Erhalt der Firma garantieren, indem sie den erfahrenen Kaufmann Johann Hinrich Gossler heiratet. Dieser legt (zum Glück) Wert auf Tradition.

Berenberg hilft Hamburg auf die Sprünge

1882 kommt Hamburg in Bewegung und erlebt einen beispiellosen Boom: Die Stadt tritt der Zollunion bei und erhält einen Freihafen. Dieser wird zum Motor der wirtschaftlichen Entwicklung. Gedankt werden darf dafür John Berenberg-Gossler, der ab sofort nicht nur ein „von“ vor seinem Namen tragen sondern sich auch Freiherr nennen darf.

Ein Mann für schwere Stunden

Wieder ein Berenberg, der Hamburg beisteht: Cornelius Berenberg, der Sohn von John B., hilft Soldaten an der Front durch die schwere Zeit und bringt ihnen „Liebesgaben“, außerdem trägt er maßgeblich dazu bei, dass Hamburg nach dem Krieg wieder auf Wachstumskurs kommt. Cornelius war auch politisch mutig: So unterstützt er jüdische Geschäftsleute und verhilft einigen sogar zur Flucht.