Rohstoffe

Rohstoffe mit Aufwärtspotenzial

Prof. Dr. Bernd Meyer und Team geben in der aktuellen Horizonte-Publikation einen Ausblick auf das vierte Quartal 2022.

Milde Rezession bedeutet keinen Nachfrageeinbruch

Der Ölmarkt gab im dritten Quartal alle Gewinne seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine wieder ab – vom Hochpunkt im Juni bis Ende August fiel der WTI-Ölpreis um knapp 27%. Grund für den Preisverfall waren der starke US-Dollar, eine coronabedingt schwächere Nachfrage aus China sowie Rezessionssorgen. Für den weiteren Ölausblick ist die Schwere einer etwaigen Rezession entscheidend. Bei einer milden Rezession nimmt zwar das Nachfragewachstum ab, kollabiert aber in der Regel nicht. Die sich zuspitzende Energiekrise in Europa dürfte zudem auf der Nachfrageseite den Ölpreis durch die Umstellung von Gas auf Öl unterstützen. Angebotsseitig bleibt die Situation weiterhin angespannt. Während ein mögliches Iran-Abkommen das Angebotsdefizit zwar abmildern würde, dürfte die Wiederaufnahme von Produktionskürzungen der OPEC+ die Angebotssituation deutlich verschärfen, zumal ab November die USA nach aktuellem Stand keine weiteren strategischen Reserven freigeben werden. Bei Rohöl erwarten wir kurzfristig weiterhin eine erhöhte Volatilität, mittelfristig aber tendenziell höhere Preise.

Ölmarkt bei milder Rezession nur mit leichtem Nachfrageeinbruch

Bei einer milden Rezession wie 1990 und 2001 wäre das globale Ölnachfragewachstum zwar belastet, aber würde nicht kollabieren.

Zeitraum: 1970–2021
Quelle: Bloomberg

Gold im Bann der Fed-Politik

Nach fünf Wochen Aufwärtstrend erlitt Gold Mitte August eine Trendumkehr. Die restriktivere Fed-Politik führte zu einem deutlichen Anstieg des US-Dollars und der langfristigen Realzinsen. Ausblickend dürfte die Richtung des Goldpreises stark von der Fed abhängen. Sollte die Fed aufgrund hartnäckiger Inflationsraten weiterhin restriktiv bleiben, dürfte es Gold schwierig haben. Sollten jedoch Rezessionssorgen die Überhand gewinnen, könnte Gold bei fallenden Realzinsen steigen. Gold birgt somit bei bereits geringer Anlegerpositionierung, insbesondere der geringen Netto-Futures-Position spekulativer Anleger, positives Überraschungspotenzial.

US-Dollar bestimmte jüngst den Goldpreis

Bei einer milden Rezession wie 1990 und 2001 wäre das globale Ölnachfragewachstum zwar belastet, aber würde nicht kollabieren.

Zeitraum: 1970–2021
Quelle: Bloomberg

Industriemetalle - langfristige Treiber intakt

Industriemetalle haben sich im August stabilisiert. Eine sengende Hitzewelle in China führte zu Stromengpässen und belastete den Betrieb von Metallwerken, was die Befürchtung von Betriebsstörungen verstärkte. Die Energiekrise beeinträchtigt bereits die Metallproduktion in Europa. Während Metalle kurzfristig bei restriktiver Fed durch den stärkeren US-Dollar und die anhaltenden Rezessionssorgen belastet bleiben dürften, bleiben die langfristigen Treiber wie die Dekarbonisierung nicht nur weiter intakt, sondern nehmen Fahrt auf. Zudem könnte eine wieder freundliche Wirtschaftspolitik Chinas im Zuge des Parteitags im November für Unterstützung sorgen.

Industriemetalle von globalem Wirtschaftsabschwung getrieben

Industriemetalle dürften vorab durch trübe Wirtschaftsdaten belastet bleiben. Von einer Wirtschaftserholung dürften sie jedoch besonders profitieren.

Zeitraum: 1970–2021
Quelle: Bloomberg

Autor

Philina Kuhzarani
Multi Asset Strategy & Research Analyst
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