18.12.2017 — Ausblick 2018 | Der Boom hat begonnen

Nach Jahren verhaltener Zuwächse hat die Weltkonjunktur 2017 an Fahrt aufgenommen.

2018 erwarten wir für nahezu die gesamte westliche Welt ein kraftvolles und breit

abgestütztes Wachstum deutlich oberhalb des langfristigen Trends.

Erst kommt die Party, dann der Kater. Obwohl die Gefahren zunehmen, dass die Konjunktur

zu heiß laufen könnte, zeichnet sich dies für 2018 noch nicht ab. Nach Jahren

verhaltener Zuwächse bei Löhnen und Krediten spricht die Ausgangslage stattdessen

dafür, dass die Weltwirtschaft noch mindestens zwei gute Jahre genießen kann, bevor

sich Übertreibungen aufgebaut haben, die in einer Rezession bereinigt werden müssten.

In den USA laden die Republikaner im Kongress sowie Präsident Trump mit ihrem

Fiskalpaket zur Party auf Kosten künftiger Steuerzahler ein. Wir rechnen damit, dass

sich das Wachstumstempo in den USA auf 2,9 % im Jahr 2018 beschleunigen wird,

bevor es anschließend wieder etwas ruhiger werden könnte.

Auch dank der Reformen in einstigen Krisenländern übertrifft die Eurozone mit ihrem

Wachstum pro Kopf seit zwei Jahren sogar die USA. Da einige Teile der Eurozone

heute flexibler sind als früher und Frankreich sich energisch reformiert, kann die gute

Konjunktur noch für mehrere Jahre anhalten, ohne an Kapazitätsgrenzen zu stoßen.

Auf beiden Seiten des Atlantiks hält sich der Inflationsdruck bei weiter maßvollen

Lohnabschlüssen vorläufig in engen Grenzen. Auch die Globalisierung und der Aufstieg

der Roboter dämpfen den Lohnanstieg. Allerdings wird die Inflation 2018 etwas

anziehen. Die normale konjunkturelle Dynamik wird langsam wieder einsetzen, in den

USA eher als in Europa und Japan. Eine unerwartet hohe Lohninflation in den USA

könnte die US-Notenbank Fed zwingen, die Konjunktur vorzeitig abzuwürgen. Dies

ist – neben einigen politischen Themen – das größte Risiko für unseren Ausblick 2018.

Die geldpolitische Wende schreitet langsam voran. Um US-Präsident Trumps Fiskalstimulus

abzufedern, wird die Fed 2018 ihre Leitzinsen vermutlich viermal um je

25 Basispunkte anheben. Die Europäische Zentralbank wird im September 2018 ihre

bereits reduzierten Anleihekäufe einstellen und ab Frühjahr 2019 ihre Zinsen erhöhen.

In China sehen wir weiter erhebliche langfristige Risiken, die sich aus einem übermäßigen

Kreditwachstum ergeben. Allerdings bemüht sich die Regierung mit gewissem Erfolg,

die Probleme einzugrenzen. Eine akute Krise zeichnet sich nicht ab.

Aktien bleiben im Vergleich zu Staatsanleihen attraktiv. Korrekturen sind wahrscheinlich,

ein echter Bärenmarkt für Aktien aber nicht. Regional sehen wir mehr Potenzial im

Euroraum und in den Schwellenländern als in den USA und Großbritannien.

Solides Wachstum und eine etwas höhere Inflation in der Eurozone und den USA sollten

die Anleiherenditen langsam steigen lassen, mit den üblichen Schwankungen.