05.11.2018 — Berenbergs Asset Management im Wandel: das Beste aus zwei Welten

Die Hamburger Privatbank Berenberg hat in den zurückliegenden zwei Jahren ihr Wealth and Asset Management deutlich ausgebaut. Uwe Schwedewsky, Leiter des Quantitativen Asset Management bei Berenberg, gibt im Interview einen Überblick.

Herr Schwedewsky, Berenberg hat in den zurückliegenden gut zwei Jahren kräftig in das Asset Management investiert, vor allem in den diskretionären Bereich. Ist dem traditionsreichen Quant-Bereich der Bank nicht eine hausinterne kräftige Konkurrenz entstanden?

Das ist sicherlich nicht der Fall. Wir haben vor allem in Frankfurt ganz neue Strukturen geschaffen, die das bestehende, vor allem in Hamburg ansässige, quantitative Asset Management perfekt ergänzen. Quantitatives und diskretionäres Asset Management sind eher zwei Seiten einer Medaille. Wir sind auf der Quant-Seite sehr gut aufgestellt und wollen in Zukunft noch enger mit dem diskretionären Team in Frankfurt zusammenarbeiten. Denn die beiden Teams können sehr stark voneinander profitieren. Quant ist nicht passiv, sondern im Gegenteil sehr aktiv – aber eben regelgebunden.

Was meinen Sie damit konkret?

Wir können Kunden nun genau das für sie passende Angebot zurechtschneidern. Im Quant-Bereich sind die stark nachgefragten Strategien derzeit vor allem im Währungsoverlay, bei Multi-Asset und Fixed-Income-Lösungen sowie beim Thema Volatilität. Das sind teils auch gute Beispiele, warum diskretionäres und quantitatives Asset Management keine Gegensätze sind, sondern sich eher ergänzen: Bei den Währungen ist es zum Beispiel sinnvoll, den menschlichen Faktor – sprich das Bauchgefühl – auszuschließen und prognosefrei und regelgebunden zu agieren. Andererseits honorieren unsere Kunden das Angebot, das wir ihnen mit unseren diskretionären Fonds vor allem im Aktienbereich machen können.

Können Sie bei den Strategien mehr ins Detail gehen?

Matthias Grimm verwaltet mit seinem Team im Overlay-Management inzwischen rund 12 Mrd. Euro. Kunden schätzen da unseren klar regelgebundenen Ansatz und vor allem die Transparenz, die wir in diesem Bereich bieten können. Gerade vor dem Hintergrund von MiFID II wird Transparenz immer wichtiger. Aus diesem Grund haben wir unsere Investmentprozesse im vergangenen Jahr angepasst, kräftig in die IT investiert und einen Vertrag mit einem externen Anbieter geschlossen, um damit unsere Transparenz deutlich zu erhöhen.

Inwiefern haben Sie die Transparenz erhöhen können?

In Kooperation mit BestX stellen wir als Währungsmanager unseren Kunden proaktiv eine Transaktionskostenanalyse zur Verfügung. Damit ist es Investoren möglich, Transaktionskosten seitens eines von Berenberg unabhängigen Anbieters analysieren zu lassen.

Und was ist da der konkrete Nutzen für den Kunden?

Besonders die Bedeutung von indirekten Kosten in der Execution wird von Anlegern häufig unterschätzt. Dabei stellen diese einen wichtigen Bestandteil des Erfolgs einer Währungssicherungsstrategie dar. Deshalb haben wir dafür zum einen ein spezialisiertes Team gegründet. Durch unseren ausgereiften Best Execution Prozess können wir die indirekten Kosten für unsere Kunden deutlich reduzieren. Und genau das können wir zukünftig durch die Transaktionskostenanalyse von BestX noch transparenter darlegen. Wir wollen schließlich ein Höchstmaß an Transparenz und Qualität im Handel bieten.

Wie ist die Entwicklung in den anderen quantitativen Strategien, die Sie anbieten?

Eine unserer großen Stärken liegt in der Assetklasse Volatilität, ein Bereich, der immer mehr an Bedeutung gewinnt und noch großes Potenzial hat. Der von Dr. Marc Gerritzen gemanagte Berenberg DyMACS Volatility Premium zeichnet sich durch eine sehr hohe Diversifikation und ein robustes Risikomanagement aus – auch im Vergleich zu anderen Volatilitätsfonds. Das hat man etwa zu Jahresbeginn gesehen, als viele dieser Produkte Federn lassen mussten und wir im Gegenzug den Draw Down in Grenzen halten konnten. Auf diesen Lorbeeren kann man sich natürlich nicht ausruhen, weshalb wir diese Produkte konsequent ausbauen.

Warum glauben Sie, dass Volatilitätsstrategien weiter an Bedeutung gewinnen werden?

Tendenziell sind diese Strategien in meinen Augen noch unterallokiert. Angesichts des aktuellen Marktumfeldes sehen wir eine steigende Nachfrage von Investoren nach alternativen und weitestgehend unkorrelierten Renditequellen, wie die Volatilitätsstrategie eine bietet. Hinzu kommt, dass es im aktuellen Marktumfeld für moderne Multi-Asset-Portfolios große Herausforderungen gibt: So soll eine auskömmliche Rendite mit traditionellen Assetklassen erzielt werden. Das ist aber insbesondere bei festverzinslichen Wertpapieren angesichts des derzeitigen niedrigen Zinsniveaus und des allseits erwarteten Zinsanstiegs ziemlich schwierig. Wir bieten mit dem Abschöpfen von Volatilitätsprämien in diesem Zusammenhang ein sehr spannendes Produkt an.

Was heißt denn konkret Abschöpfen der Volatilitätsprämie?

Die Volatilitätsrisikoprämie stellt die Versicherungsprämie der Kapitalmärkte dar und lässt sich über verschiedene Anlageklassen durch Verkauf von Optionen generieren. So können attraktive und weitestgehend unkorrelierte Renditen vereinnahmt werden.

Abgesehen von der Performance, was unterscheidet Ihr Produkt denn von denen der Mitbewerber?

Klassische Volatilitätsfonds konzentrieren sich meist auf die Anlageklassen Aktien. Wir denken aber, dass neue Wege bei der Asset Allocation gegangen werden müssen. Neben den Assetklassen Aktien und Renten haben wir kürzlich den Ansatz so verändert, dass auch die Assetklasse Credit genutzt werden kann. In Folge dürften sich die risikoadjustierten Renditen der Strategie um bis zu 25% verbessern lassen. Wir sind damit der erste Anbieter im deutschsprachigen Raum, der das seinen Kunden in dieser Form anbietet.

Sie haben Volatilität und Overlay angesprochen, das ist aber sicherlich nicht das einzige, was sie an quantitativen Strategien Ihren Kunden anbieten.

Wir sind natürlich auch mit quantitativen Ansätzen in klassischen Fondskategorien wie Aktien, Anleihen oder Multi Asset präsent. Und wir entwickeln unsere Produktpalette konsequent weiter. Vor einigen Monaten haben wir zum Beispiel den Berenberg Sustainable EM Bonds aufgelegt. Frederic Waterstraat investiert einerseits gemäß unseres quantitativen Ansatzes, berücksichtigt andererseits aber auch Nachhaltigkeitskriterien. Es ist quasi die Weiterentwicklung unseres bestehenden von Robert Reichle verwalteten Emerging Markets Bonds Fonds. Der von Felix Stern gemanagte Berenberg Enhanced Liquidity ist hier ebenfalls zu erwähnen. Dieser investiert schwerpunktmäßig in fest- und variabel verzinsliche Schuldverschreibungen europäischer Emittenten mit Investment-Grade-Bonität. Dieser Fonds ist aufgrund der positiven Entwicklung und hoher Zuflüsse Mitte des Jahres auch Berenbergs erster Milliardenfonds geworden. Darüber hinaus haben wir Anfang 2017 den Investmentprozess des von Stefan Ewald gemanagten quantitativen Multi Asset Fonds – Berenberg Strategy Allocation – weiterentwickelt, was dazu führte, dass die Fondsperformance im letzten Jahr im Peer-Group-Vergleich spitze war. Auch in diesem Jahr – ein extrem herausforderndes Marktumfeld – schlägt sich der Fonds wacker.

Sie sind ausnehmend optimistisch….

Nicht zuletzt aufgrund unserer 428-jährigen Geschichte sind wir unserer eigenen Leistung gegenüber sehr anspruchsvoll. Und vor der Zukunft ist mir nicht bang.  Wir können wie beschrieben unseren Kunden im Quant-Bereich auf höchstem Niveau  alles das anbieten, was sie benötigen. Hinzu kommt unser diskretionäres Fondsangebot, was angesichts von Fondsmanagern wie Henning Gebhardt, Matthias Born, Peter Kraus, Andreas Strobl und in Zukunft Tim Albrecht in Deutschland eine Ausnahmestellung einnimmt. Dazu entwickeln wir uns konsequent weiter, haben neue Produkte im Bereich Multi Asset und Anleihen in Vorbereitung sowie eine stärkere Fokussierung auf ESG-Themen. Ich denke, eine solche Kompetenz, wie wir sie unseren Kunden bieten können, ist sicherlich nicht nur für ein Haus unserer Größe einzigartig.