08.03.2018 — Geldpolitik - EZB: Ausstieg in wohldosierten kleinen Schritten

EZB: AUSSTIEG IN WOHLDOSIERTEN KLEINEN SCHRITTEN


Nun also doch: die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute ihre explizite Aussage fallen gelassen, ihre Anleihekäufe im Hinblick auf Umfang und/oder Dauer bei einem verschlechterten Ausblick gegebenenfalls auszuweiten. Mit der veränderten Wortwahl wird der allmähliche Ausstieg aus dem geldpolitischen Sonderprogramm konkreter. Es blieb allerdings bei der Aussage, Vermögenswerte in Höhe von monatlich 30 Mrd. Euro bis Ende September 2018 oder wenn nötig darüber hinaus anzukaufen. In der Zinspolitik blieb dagegen alles beim Alten: Die Leitzinsen wurden bei 0,00 % bzw. –0,40 % für den Einlagesatz festgezurrt.

Weiter in behutsamen Schritten Richtung Exit
Ungeachtet der zuletzt aufgekommenen Risiken durch die Italienwahl und die Einführung von Strafzöllen durch USPäsident Trump hat die EZB damit vor allem auf die fortschreitende konjunkturelle Erholung in der Eurozone reagiert. Die Eurokonjunktur wird als so robust und breit aufgestellt eingestuft, dass die EZB immer zuversichtlicher geworden ist, dass sich die Preissteigerungsrate mittelfristig in Richtung eines Niveaus entwickeln wird, das mit ihrem Inflationsziel von „unter, aber nahe 2%“ im Einklang steht.

Wie kann es weitergehen?
Vorerst – also bis September – wird die EZB weiter monatlich
Anleihen im Volumen von 30 Mrd. Euro erwerben.1
Vorausgesetzt, die Konjunktur bleibt wie erwartet im Tritt
und lässt unverändert einen allmählichen Anstieg der Inflation
erwarten, dürfte die EZB den Ausstieg aus ihrem
Wertpapierankaufprogramm weiter in kleinen wohldosierten
Dosen fortsetzen. Nachdem die monatlichen Ankäufe
von Vermögenswerten bereits ab Januar 2018 von zuvor
60 Mrd. auf 30 Mrd. Euro monatlich gekürzt wurden, erwarten
wir, dass die EZB ihr Ankaufvolumen ab Oktober
nochmals halbieren und nur noch 15 Mrd. Euro monatlich
ankaufen wird. EZB-Präsident Mario Draghi dürfte die
Märkte darauf bereits im Sommer einstimmen. Ende 2018
dürfte das Wertpapierankaufprogramm dann endgültig
auslaufen.

1 Die EZB hat inzwischen Vermögenswerte des öffentlichen Sektors in Höhe von
1.928,6 Mrd. Euro und seit Anfang Juni 2016 Vermögenswerte des Unternehmenssektors
in Höhe von 141,9 Mrd. Euro erworben. Im Rahmen des 3. Programms
zum Ankauf von gedeckten Schuldverschreibungen wurden 247,2 Mrd.
Euro angekauft, ABS Anleihen wurden in Höhe von 25,1 Mrd. Euro erworben
(Stand: 23. Februar 2018).

Konjunktur zieht weiter an - Inflation bleibt gedämpft
Die volkswirtschaftliche Gemengelage weist vorerst weiter
ein differenziertes Bild auf. Zum einen hat sich der konjunkturelle
Hintergrund zuletzt immer weiter verbessert
und die wichtigsten Stimmungsindikatoren sprechen eindeutig
für eine Fortsetzung des dynamischen Wachstums
im Euroraum. Die EZB rechnet daher damit, dass sich die
Erholung weiter festigt und noch mehr Breite gewinnen
wird. Vor diesem Hintergrund stuft sie die Konjunkturrisiken
– trotz der erstmals explizit genannten Gefahr durch
einen zunehmenden Protektionismus – weiter als weitgehend
ausgewogen ein. Die Projektionen für das Wirtschaftswachstum
wurden im Vergleich zum Dezember
2017 für dieses Jahr leicht von 2,3 % auf 2,4 % angehoben.
Für 2019 und 2020 blieb es dagegen bei BIP-Zuwächsen
von 1,9 % bzw. 1,7 %.

Andererseits hat sich die gute Konjunktur noch immer
nicht in nachhaltig höheren Inflationsraten niedergeschlagen.
So hat sich die Inflation in den letzten Monaten weiter
weg von der 2 %-Zielmarke der EZB bewegt. Im Februar
betrug der Anstieg lediglich 1,2 %. Auch die Kernrate ohne
die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise
kommt mit aktuell 1,0 % nicht von der Stelle.
Gleichwohl wurden die Projektionen für die Inflation seit
der letzten Projektionsrunde im Dezember kaum verändert.
Für 2018 und 2020 blieb es bei 1,4 % bzw. 1,7 %. Lediglich
die Inflationsrate für 2019 wurde leicht von 1,5 % auf
1,4 % nach unten revidiert.

Geldpolitik bleibt expansiv – Zinswende erst 2019
Ungeachtet des allmählichen Auslaufens ihres geldpolitischen
Sonderprogramms bleibt die Geldpolitik der EZB
auch 2018 expansiv ausgerichtet. Mit der ersten Leitzinserhöhung
wird sich die EZB wohl noch bis 2019 Zeit lassen.
Wir erwarten den ersten Zinsschritt für den Refinanzierungssatz
auf 0,25 % im Juni 2019, gefolgt von einem weiteren
Trippelschritt Ende 2019. Den Einlagesatz könnte die
EZB bereits im Frühjahr 2019 erstmals wieder von
–0,40 % auf –0,25 % anheben.


Sollten Konjunktur und Inflation stärker als erwartet anziehen,
könnte die EZB ihren Zinserhöhungszyklus auch
schon im Frühjahr 2019 starten. Umgekehrt würde die
EZB bei anhaltend gedämpfter Inflation länger mit der
Zinswende warten.