23.08.2019 — Geldpolitik - MODERN MONETARY THEORY – EIN REVOLUTIONÄRES ALLHEILMITTEL FÜR DIE WELTWIRTSCHAFT?

MODERN MONETARY THEORY – EIN REVOLUTIONÄRES ALLHEILMITTEL FÜR DIE WELTWIRTSCHAFT?
Lassen sich die ökonomischen Probleme unserer Zeit mithilfe einer neuen Geldtheorie lösen? Die sogenannte Modern Monetary Theory (MMT) sorgt seit einiger Zeit in den USA für Aufmerksamkeit, denn sie stellt bewährte ökonomische Grundsätze infrage und wird von einigen prominenten US-Politikern aus dem linken Lager propagiert.
• Die Notenbank und ihre Geldpolitik verkommen im Modellrahmen der Modern Monetary Theory zum verlängerten Arm des Staates. Ein sparsamer Staat ist nicht mehr zwangsläufig nötig, da sich der Staat über seine Zentralbank und die Schaffung von neuem Geld direkt finanzieren kann. Nach herkömmlicher Theorie ginge von einer solchen Politik erhebliche Inflationsgefahr aus.
• Die Notenbankpolitik der vergangenen Jahre könnte aber so interpretiert werden, dass die befürchtete Inflationsgefahr in der Praxis nicht existiert und die Thesen der MMT zutreffend sind. Durch die massiven Anleihekaufprogramme wurden führende Notenbanken zu wichtigen Gläubigern ihrer eigenen Staaten. Die Bank of Japan hält bereits mehr als 40 % der eigenen Staatsanleihen, ohne dass es in Japan zu einer nennenswerten Verbraucherpreisinflation gekommen wäre.
• In diesem Zusammenhang wird zuweilen die Forderung laut, die hohen Staatschuldenbestände im Besitz ihrer jeweiligen Notenbanken könnten einfach gestrichen werden. Wir halten solche Implikationen der MMT allerdings für äußerst gefährlich.