13.09.2018 — Handelsblatt-Anlageempfehlung: Gold weiter ohne Glanz?

Täglich scheinen die Risiken an den Kapitalmärkten größer zu werden: Brexit, Handelsstreit, Sanktionen und der Vormarsch der Populisten beunruhigen die Anleger. In solchen Zeiten profitieren in der Regel Anlageformen, die als sicherer Hafen gelten. Doch bei Gold ist das derzeit nicht der Fall – im Gegenteil: Der Goldpreis rutschte Mitte August unter die Marke von 1 200 US-Dollar pro Unze und notierte so tief wie seit Anfang 2017 nicht mehr. Und auch in Euro hat Gold trotz der starken Dollar-Aufwertung an Wert verloren. Woran liegt das?
Ein Grund ist die schwache Goldnachfrage. Laut World Gold Council fiel sie im ersten Halbjahr um sechs Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Nachfrage nach Gold-Indexfonds (ETFs) halbierte sich beinahe. Besonders schwach war sie in den USA. Steigende US-Renditen bei weiterhin begrenzter Inflation machen Gold, das keinen Zins abwirft, für US-Investoren unattraktiver. In Europa gab es hingegen Zuflüsse, begünstigt durch die Politik der EZB und der Unsicherheit rund um Italien. Auch Zentralbanken kauften im zweiten Quartal weniger Gold. Zudem fiel die weltweite Schmucknachfrage. Der starke US-Dollar macht Gold für internationale Käufer teurer. So ist der Goldpreis in indischer Rupie beispielsweise seit Jahresanfang gestiegen. Der Goldpreis in der Türkei sprang wegen des Lira-Verfalls auf ein Rekordniveau. Dadurch wird auch die dortige Goldnachfrage gebremst. Zudem stieg auch noch das Goldangebot das zweite Quartal in Folge. Sowohl Minenproduktion als auch das Angebot durch Gold-Recycling erhöhte sich im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr Es gibt aber auch Lichtblicke für den Goldpreis: Die Dollar-Stärke könnte bald auslaufen. Spekulative Investoren setzen zudem aggregiert bereits auf fallende Goldpreise. In der Vergangenheit kam es bei einer solchen Konstellation häufig zu einer Erholungsrally in den folgenden Monaten. Desweiteren sollte der niedrigere Goldpreis zu einer Angebotsverknappung in der Zukunft führen, da für Minenbetreiber mit hohen Produktionskosten die Förderung des Edelmetalls unrentabler wird. Auch wenn fundamentale Daten den Goldpreis derzeit nicht unterstützen, erscheint ein Ausstieg nicht mehr sinnvoll. Mittelfristig sollte sich der Goldpreis erholen.