31.07.2018 — Handelsblatt-Anlageempfehlung: Hoher Zins, hohes Risiko

Die Risikoaufschläge von US-Hochzinsanleihen haben sich im letzten halben Jahr kaum bewegt, während sich die anderer Anleihesegmente in allen Regionen ausgeweitet haben. Neben besseren Konjunkturaussichten, niedrigeren Steuern, steigenden Unternehmensgewinnen und einem im Jahresvergleich schwächeren Dollar ist diese Stabilität auf die gestiegenen Rohstoffpreise zurückzuführen – Ölfirmen machen 16 Prozent des US-High-Yield-Index aus.
Die aktuelle Risikoprämie deckt nur das realisierte Ausfallrisiko der Anleihen in den letzten zwölf Monaten. Laut Moody’s betrug dieses für US-Hochzinsanleihen 3,7 Prozent. Eine Prämie für Illiquidität ist kaum noch vorhanden. Die Ratingagentur weist auch darauf hin, dass die Auflagen bei der Kreditvergabe in den USA stark nachgelassen haben. Eine schnelle Änderung des Umfeldes und eine damit verbundene starke Ausweitung der Risikoaufschläge würde Anleger daher hart treffen.
Auch der starke Anstieg der Verschuldung von US-Unternehmen auf neue Höchststände spricht gegen US-Hochzinsanleihen. Die Fähigkeit der Unternehmen, die Zinsen zu bezahlen, nimmt ab. Der Zinsdeckungsgrad (Gewinn vor Zinsaufwendungen und Steuern dividiert durch die Zinsaufwendungen) ist in den letzten fünf Jahren gefallen. Zudem belasten höhere Refinanzierungskosten die Profitabilität. Auslaufende Anleihen sind günstiger als neue, US-Zinsen dürften weiter steigen, und ein Teil der Finanzierung ist zudem häufig variabel verzinst. Hohe Verschuldung kombiniert mit einer hohen, aber zunehmend belasteten Gewinnmarge ist ein klassisches spätzyklisches Phänomen.
Alles zusammen zeigt sich trübes Bild für US-Hochzinsanleihen. Eine weitere Einengung der Risikoaufschläge erscheint unwahrscheinlich, eine Ausweitung könnte aber jederzeit beginnen. Daher sollten sich Anleger frühzeitig von diesem Investment trennen, um bei einer schnellen Ausweitung der Risikoaufschläge nicht in eine Liquiditätsfalle zu geraten. Denn im Falle eines schnellen Abverkaufs zählt auch bei Hochzins-ETFs (börsengehandelten Fonds) nur noch die Liquidität der zugrunde liegenden Anleihen – und die ist sehr begrenzt.