08.03.2018 — Handelsblatt-Anlageempfehlung - Gewinn im Gegenwind

Dr. Bernd Meyer ist Chefstratege Wealth and Asset Management bei Berenberg

Die Weltwirtschaft boomt, das synchrone Wachstum der größten Wirtschaftsregionen geht weiter. Selbst einstige Sorgenkinder wie Griechenland nehmen am Aufschwung teil. Sprudeln also die Gewinne der europäischen Unternehmen? Nicht unbedingt. Im vierten Quartal 2017 schnitten US-Unternehmen bei der Gewinnentwicklung besser ab, und auch im ersten Quartal 2018 dürften US-Firmen Rückenwind verspüren, während es für die europäischen Pendants starken Gegenwind gibt. Der handelsgewichtete Euro ist im ersten Quartal 2018 bisher um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Zum US-Dollar wertete der Euro gar um 15 Prozent auf. Was deutsche Urlauber freut, belastet die Exportindustrie, denn ein starker Euro verringert die Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten. Europäische Firmen erzielen rund die Hälfte der Umsätze in Übersee, allein ein Fünftel der Erlöse stammt aus den USA. Europäer, die in den USA präsent sind, können aber auf einen positiven Effekt der Trump-Steuerreform hoffen. Neben negativen Währungseffekten und steigenden Lohnkosten dürfte auch der starke Anstieg der Rohstoffpreise die Gewinne vieler europäischer Unternehmen belasten. Der Ölpreis ist Anfang 2018 um gut ein Viertel gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. Die Belastung durch höhere Zinsen sollte jedoch begrenzt sein. Zum einen sind wir immer noch in einem historischen Niedrigzinsumfeld, das den Unternehmen eine günstige Refinanzierung erlaubt. Zum anderen sind die Zinsen zuletzt zwar in Deutschland gestiegen, in anderen Euro-Ländern wie Italien und Spanien aber gesunken. Während also Weltkonjunktur und europäische Binnenwirtschaft positiv für die Gewinnsituation der Unternehmen sind, sind der starke Euro und die gestiegenen Rohstoffpreise eine Belastung. Betrachtet man aber die unterschiedliche Kursentwicklung in den USA und Europa in den letzten Monaten, dürfte vieles bereits eingepreist sein. Auch sollte sich das Bild für europäische Unternehmen in den kommenden Quartalen wieder aufhellen, weil die Basiseffekte, etwa beim Euro, nachlassen.
 

Die Anlageempfehlung ist eine Einschätzung des Autors.