14.09.2017 — Handelsblatt-Anlageempfehlung - Schlechte Stimmung?

Henning Gebhardt ist Leiter Wealth and Asset Management bei Berenberg.

Spätestens seit dem jüngsten von drei Ankaufprogrammen der Europäischen Zentralbank (EZB) ist der Begriff Covered Bonds salonfähig. Diese meist durch Immobilien besicherten Anleihen liegen bei Großinvestoren wie Versicherungen oder Pensionskassen, aber auch bei besonders risikoaversen Privatinvestoren im Anlagefokus. Bereits mit Ankündigung des neuen Programmes erhitzten sich die Gemüter von Profi-Anlegern. Sie befürchteten, dass die Europäische Zentralbank zum gewichtigsten Anleger für Covered Bonds im Euro-Raum aufsteigen und dem Markt Liquidität entziehen könnte. In der Tat baute die EZB bis Mitte August Bestände über rund 226 Milliarden Euro auf. Die Folgen: Investoren fiel es sowohl bei Neuemissionen als auch am Sekundärmarkt in Konkurrenz zur Zentralbank schwerer, größere Positionen über mehrere Millionen Euro zu sinnhaften Preisen zu erwerben. Zudem konnte man beobachten, dass die stetige Nachfrage den sonst üblichen Einfluss politischer und emittentenspezifischer Risiken außer Kraft setzte und die Volatilität deutlich dämpfte. Ein positiver Effekt der künstlichen Knappheit war der vermehrte Auftritt außereuropäischer Emittenten.
So konnten in den letzten zwei Jahren vermehrt Covered Bonds aus Australien, Kanada oder Singapur in Euro mit vergleichsweise attraktiven Risikoaufschlägen emittiert werden. Derzeit rätselt der Kapitalmarkt über den möglichen Kater nach der Party: Was passiert, wenn die EZB den Stimulus reduziert? Für den europäischen Covered-Bond-Markt besteht aus unserer Sicht keine akute Gefahr: Hier hat die EZB das sogenannte Tapering faktisch schon begonnen, indem zu Beginn des Programms monatlich signifikant höhere Volumina angekauft wurden als in der jüngeren Vergangenheit. Berücksichtigt man zusätzlich, dass die EZB darauf hinweist, dass fällige Wertpapiere und Kuponerträge in den Markt zunächst reinvestiert werden sollen, dürfte der Covered-Bond-Markt auch über das Ende des EZB-Programms hinaus gut unterstützt bleiben.
 
Die Anlageempfehlung ist eine Einschätzung des Autors.