12.06.2018 — Handelsblatt-Anlageempfehlung: Japan-Aktien bleiben attraktiv

Japan-Aktien bleiben attraktiv

Es scheint ein altbekanntes Spiel: Eine Anlage läuft gut, wird dann zum Liebling der Anleger und urplötzlich ist es mit der (Gewinn-)Herrlichkeit wieder vorbei. Zu Jahresbeginn war dies bei japanischen Aktien zu beobachten – könnte man meinen. Doch dies ist nicht der Fall. Die relative Schwäche der japanische Börse im ersten Jahresquartal ist Resultat kurzfristiger, exogener Faktoren. Der gestiegene Ölpreis belastet den Nettoölimporteur Japan und die Yen-Stärke die Exportunternehmen. Zusammen mit Sorgen um Handelsbeschränkungen führte dies zu Wachstumsenttäuschungen und negativen Gewinnrevisionen. Die fundamentale Attraktivität japanischer Aktien bleibt hoch. Angesichts einer Arbeitslosenquote von 2,5 Prozent herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Löhne und Investitionen steigen: Die japanische Wirtschaft ist 2016 und 2017 acht Quartale in Folge real gewachsen. Eine vergleichbar lange Phase gab es zuletzt 1999 bis 2001. Seit Ende der 1990er Jahre hat das Wachstum des realen Pro-Kopf-BIP Japans das aller anderen großen Volkswirtschaften übertroffen. Seit 2012 hat es sich sogar noch beschleunigt. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik unter Ministerpräsident Abe seit Ende 2012. „Abenomics“ setzte dabei auf drei „Pfeile“: aggressive Geldpolitik, fiskalischer Stimulus und Strukturreformen. Und die Reformen zeigen Wirkung, wie etwa an der Verbesserung der Corporate Governance und der steigenden Arbeitsmarktpartizipation von Frauen abzulesen ist. In diesem Umfeld sind die Gewinnmargen der Unternehmen und auch die Ausschüttungen an die Anleger gestiegen, während die Kassenbestände der Unternehmen gesunken sind. Verbunden mit der relativen Bewertungsattraktivität, den kontinuierlichen Aktien-ETF-Käufen durch die Zentralbank und der Erwartung, dass diese noch länger expansiv bleiben wird, sind japanische Aktien aus Diversifikations- und Renditegesichtspunkten ein attraktiver Bestandteil globaler Portfolios. Da der Yen mittelfristig weiter aufwerten dürfte, sollten Investments nicht währungsgesichert vorgenommen werden.

Die Anlageempfehlung ist eine Einschätzung des Autors.