13.08.2018 — Trends - Bedingungsloses Grundeinkommen: Innovation oder Illusion?

BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN: INNOVATION ODER ILLUSION?
Die Digitalisierung der Wirtschaft hat das Potenzial, den Arbeitsmarkt umzuwälzen und einer Reihe von Berufen die Grundlage zu entziehen. Als probates Mittel gegen die befürchteten Umbrüche wird immer häufiger die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens genannt.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist ein Grundeinkommen, das jedem Bürger eines Landes ohne Vorbedingung ausgezahlt wird, mit großer Skepsis zu betrachten. Die Arbeitsanreize würden massiv gestört. Auch die Bereitschaft, sich für berufliche Zwecke zu bilden, könnte beeinträchtigt werden. Dies gilt insbesondere für Personen mit geringen Einkommensaussichten – damit könnte ein Grundeinkommen unbeabsichtigt zu einer weiteren sozialen Spaltung der Gesellschaft beitragen.
Verschiedene Länder und Privatiitiativen haben mit Pilotprojekten bereits versucht, die Auswirkungen des Grundeinkommens auf die Arbeitsmotivation der Projektteilnehmer zu testen. Es gibt Hinweise, dass die Teilnehmer trotz Grundeinkommen weiter arbeiten. Der Aussagewert ist gleichwohl sehr begrenzt. Die Höhe des Grundeinkommens ist im Regelfall zu niedrig, um den Lebensunterhalt allein daraus bestreiten zu können. Zudem haben die Teilnehmer einen hohen Anreiz weiterzuarbeiten, weil die Projekte zeitlich begrenzt sind. Nach Ablauf des Experiments muss der Lebensunterhalt aber wieder aus eigener Arbeit bestritten werden, sodass die Teilnehmer auch während der Projektpha-se am Erhalt ihres Marktwertes interessiert sein müssen.

  • Sofern die digitale Transformation der Wirtschaft lediglich eine neue Strukturwandel-Episode darstellt, in der alte Arbeitsplätze verschwin-den, gleichzeitig aber viele neue Arbeitsplätze entstehen, wäre das Grundeinkommen ein Wachstumshemmnis und deshalb abzulehnen. Der aktivierende Sozialstaat hält für einen solchen Wandel bereits die richtigen Instrumente bereit. Sollte der digitale Umbruch aber zu einem massenhaften Verlust von Arbeitsplätzen führen, ohne im Gegenzug Arbeitsplätze in annähernd gleicher Größenordnung entstehen zu lassen, ständen wir vor einer Zeitenwende. Neue sozialpolitische Ansätze wären vonnöten. Das Grundeinkommen könnte in einem solchen Szenario durchaus ein überlegenswertes Konzept sein.
  • Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde – neben höheren Steuern und Abgaben – zu erheblichen Anpassungsproblemen führen. So ließen sich längerfristige Kredite (z.B. für den Immobilienkauf), die in der Erwartung steigender Einkommen eingegangen wurden, mit einem knapp bemessenen Grundeinkommen nicht abbezahlen. Auch die Konsummuster könnten sich spürbar verändern.