19.09.2019 — TRENDS - NACHHALTIGKEIT

NACHHALTIGKEIT
Nachhaltigkeit hat sich in den letzten Jahren zu einem weit verbreiteten
Lebensgefühl entwickelt. Im privaten Bereich, im Unternehmenssektor und
auf volkswirtschaftlich-politischer Ebene setzt sich immer mehr die Erkenntnis
durch, dass nicht nur finanzielle Werte erstrebenswert sind, sondern
auch andere Faktoren maßgeblich zum Wohlstand beitragen. Im Finanzsektor
stehen dabei die sogenannten ESG-Faktoren, also Umwelt, Soziales
und Unternehmensführung, im Mittelpunkt.
• Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist kein umfassender Maßstab für den
Wohlstand, sondern nur ein guter Indikator für den materiellen Zustand eines
Landes. Es gibt deshalb seit langer Zeit Bestrebungen, die Lebensqualität
mit weiteren Indikatoren quantitativ zu erfassen oder die Volkswirtschaftliche
Gesamtrechnung zu verfeinern („Beyond GDP“).
• Im Unternehmenssektor und an den Börsen ist die reine Shareholder Value-
Orientierung längst um zusätzliche Unternehmensziele ergänzt worden. Die
Diskussion über „Corporate Social Responsibility“ (CSR) hat zuletzt – auch
in den USA – nochmal Fahrt aufgenommen.
• Ökologische Aspekte können direkte Risiken für Unternehmen bedeuten,
wenn zum Beispiel extreme Wetterereignisse die Produktionsabläufe stören.
Für Unternehmen aus traditionellen und ggf. umweltschädlichen Branchen
bedeutet der Bewusstseinswandel zudem eine Gefahr für das eigene etablierte
Geschäftsmodell.
• Auch die Politik erhöht den Druck. Die Europäische Union hat 2018 den
Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ vorgelegt. Damit soll
künftig mehr privates Kapital in nachhaltige Investitionen fließen.
• Die Vereinten Nationen haben zunächst mit den Milleniums-
Entwicklungszielen und ab 2015 mit den „Zielen für nachhaltige Entwicklung“
(SDG, Sustainable Development Goals) ebenfalls wichtige Anstöße
gegeben, um den sozialen und ökologischen Fußabdruck der Menschen zu
verbessern. Diese Ziele spielen in nachhaltigen Anlagestrategien eine zunehmende
Rolle.
• In den meisten Ländern sind Pensionsfonds die Haupttreiber für die Umsetzung
der ESG-Agenda. Es gibt zudem eine Reihe von Initiativen, die dazu
beitragen, das Thema Nachhaltigkeit im Finanzsektor fester zu verankern.
Dazu gehört das „Central Banks and Supervisors Network for Greening the
Financial System” (NGFS), dem unter anderen auch die Deutsche Bundesbank
angehört.
• Insgesamt zeigt sich ein starker Trend, dass wirtschaftliches Wachstum und
finanzielle Rendite auf der einen Seite und ökologisches und soziales Engagement
auf der anderen Seite, immer weniger als Gegensätze aufgefasst werden.