19.08.2019 — Wöchentlicher Makroausblick August 2019

PROGNOSEREVISION: DER HANDELSKONFLIKT FORDERT SEINEN TRIBUT
Aufgrund der anhaltenden Spannungen im Handelskonflikt und der fortgesetzt schwächeren Konjunktur haben wir unsere Wachstumsprognosen für viele Länder angepasst. Wir gehen mittlerweile nicht mehr davon aus, dass eine schnelle Lösung zwischen den USA und China zustande kommen wird.
Im Juli ist die US-amerikanische Industrieproduktion im Vergleich zum Vormonat um 0,2 % zurückgegangen und befindet sich damit im Gleichschritt mit den globalen Wachstumszentren, die ebenfalls Rückgänge zu verzeichnen haben. Die größeren Volkswirtschaften mit engen Handelsbeziehungen zu China und einer exportorientierten Ausrichtung sind von der globalen Abkühlung am meisten betroffen. Zu diesen Ländern gehört auch Deutschland, das in Q2 angesichts der trüben Großwetterlage einen BIP-Rückgang von 0,1 % gegenüber dem Vorquartal verzeichnet hat. Bei einem weiteren schwachen Quartal droht eine technische Rezession. Der Binnenkonsum lindert die drastische Abkühlung des Exportsektors etwas ab. Allmählich fällt es der Binnenwirtschaft allerdings schwer, die deutsche Wirtschaft über Wasser zu halten. ZEW, Ifo und Einkaufsmanagerindizes deuten eine Fortsetzung des Abwärtstrends an. Die derzeitige Schwäche der Exportnation Deutschland zeigt, wie sehr der Handelskonflikt USA/China belastet. Zu den Leidensgenossen Deutschlands gehören auch Japan und Südkorea.
Eine Prognose zum weiteren Verlauf des Handelskriegs ist mit extremen Unsicherheiten verbunden. Die Einführung der neuen Sonderzölle wurde immerhin in ihrem Umfang bereits wieder etwas eingeschränkt. Laptops und Mobiltelefone würden erst später von diesen betroffen sein. Darüber hinaus wird die Kritik von Trump am Fed-Chef Jerome Powell aufgrund der Kursstürze an der New Yorker Börse wieder lauter. Handelsberater Navarro fordert gar eine Zinssenkung von einem halben Prozentpunkt. Im Land der Mitte versucht man fiskalisch neue Impulse zu setzen – bisher vergebens.