16.09.2019 — Wöchentlicher Makroausblick September 2019

DIE GELDPOLITIK DER EZB - VON "WHATEVER IT TAKES" ZU "AS LONG AS IT TAKES"
Ein Ende der ultra-lockeren Geldpolitik ist nicht in Sicht. Zwar ist die weitere Lockerung etwas unterhalb der Erwartungen geblieben, dennoch war die Ankündigung des neuen Maßnahmenbündels der letzte große Paukenschlag des scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi, bevor Christine Lagarde den Posten übernimmt. Gemäß Draghi haben drei wesentliche Faktoren diesen Schritt erforderlich gemacht: die größer als erwartet ausgefallene Abkühlung der Wirtschaft innerhalb der Eurozone; das anhaltende Gefährdungspotential durch externe Risiken; sowie die Abwärtsrevision der hauseigenen Inflationsprognosen. Der kontroverseste Part des Pakets ist die Wiederaufnahme der Wertpapierkäufe. Bis zu 20 Milliarden Euro pro Monat will die EZB hierfür ab November bereitstellen. Eine Frist, bis wann die Käufe eingestellt werden, gibt es nicht. Sie sollen bis kurz vor einer potentiellen Zinswende anhalten. Diese dürfte nicht vor 2022 kommen, denn schließlich hat Draghi auch gesagt, dass das aktuelle Zinsniveau erst wieder nach oben angepasst wird, sofern die Inflation bei etwas unter 2 % liegt. Ausgehend von der Inflationsprognose der EZB für das Jahr 2021 in Höhe von 1,5 %, dürfte dieser Zeitpunkt nicht in allzu naher Zukunft erreicht werden. Damit könnte das Ankaufprogramm mindestens 24 Monate andauern, eher länger. Es dürfte also insgesamt mehr als 480 Milliarden Euro schwer werden. Damit ist es zu Recht umstritten, denn die Effekte auf das Konsumverhalten der Haushalte und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen werden wahrscheinlich eher bescheiden ausfallen, während sich die Risiken unerwünschter Nebeneffekte weiter zuspitzen. Ergänzend wurde der Einlagenzinssatz auf –0,5 % abgesenkt und die Konditionen der langfristigen Liquiditätsspritzen angepasst. Allgemein gilt jedoch, dass die Geldpolitik auf die Fiskalpolitik der Eurostaaten angewiesen bleibt, um den Abschwung wirksam bekämpfen zu können. Ein günstiges Finanzierungsumfeld hat die EZB bereits geschaffen, es bleibt nun in der Hand der Regierungschefs dieses auch zu nutzen. Draghi hat während seiner Amtszeit nahezu alle Maßnahmen ergriffen um den Euro zu retten („Whatever it takes“), mit seiner letzten Amtshandlung stellt er nun die Weichen dafür, dass diese auch solang wie nötig aufrecht erhalten werden („As long as it takes“).