18.03.2019 — Wöchentlicher Makroausblick März 2019

BREXIT
Nur noch elf Tage sind es bis zum planmäßigen EU-Austrittsdatum Großbritanniens, dem 29. März 2019. Nach einer ereignisreichen Woche könnte sich dieses Datum allerdings nach hinten verschieben. Denn am vergangenen Donnerstag (14.3.) stimmten die Abgeordneten im Unterhaus einem Antrag auf Fristverlängerung zu - mit 412 zu 202 Stimmen. Damit es zu einer Verschiebung kommt, muss die EU das britische Gesuch auf dem anstehenden EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag (21./22.3.) billigen. Sollte dies eintreten, könnte der Brexit bis Ende Juni oder noch länger hinausgezögert werden. Ausschlaggebend dafür ist, ob Premierministerin May zuvor eine Einigung im Parlament bezüglich ihres Deals erzielen kann. Bei der letzten Abstimmung am vergangenen Dienstag (12.3.) scheiterte sie deutlich. Möglicherweise versucht sie es am Mittwoch (20.3.) erneut. Wir sehen allerdings nur eine Chance von 10 %, dass das Unterhaus Mays Abkommen akzeptiert. Sollten die Abgeordneten ihren Deal dennoch absegnen, wird sich der Brexit (mit Zustimmung der EU) wohl nur bis Ende Juni verschieben, sonst womöglich länger.

Auch ein „harter Brexit“ erscheint uns momentan nicht sehr wahrscheinlich (15 %). Das britische Parlament stimmte am vergangenen Mittwoch (13.3.) – wenn auch knapp – gegen einen ungeordneten Brexit. Sollte Mays Deal erwartungsgemäß scheitern, verbleiben im Kern zwei Brexit-Optionen: Ein Verbleib in der Zollunion und im Binnenmarkt für Güter oder die Option „Norwegen plus“. Im ersten Fall hätte das Vereinigte Königreich die Möglichkeit über Migration und Dienstleistungen selbst zu bestimmen, während das im letzteren Fall nicht möglich wäre. Denn „Norwegen plus“ hieße, dass Großbritannien alle vier Freiheiten des gemeinsamen Binnenmarktes aufrechterhalten müsste. Die Wahrscheinlichkeit dafür sehen wir momentan bei 15 %. Das von der Labour-Partei bevorzugte Szenario „Zollunion und im Binnenmarkt für Güter“ ist aus unserer Sicht mit 35 % etwas wahrscheinlicher.