15.10.2018 — Wöchentlicher Makroausblick Oktober 2018

POLITIK DEUTSCHLAND
Die Wahl in Bayern hat erneut gezeigt, dass starke Wirtschaftsdaten kein Garant mehr für gute Wahlergebnisse der Regierungsparteien sind. Die regierende CSU hat trotz bester Wirtschaftslage über zehn Prozentpunkte gegenüber der letzten Wahl verloren und kommt nur noch auf 37,2 %. Die zweite Volkspartei, die SPD, verlor sogar knapp 11 Prozentpunkte und kommt nur noch auf 9,7 %. Damit zeigt sich wie schon bei vielen Wahlen in den vergangenen Jahren, dass die großen Parteien ihre Bindungskraft nach und nach einbüßen. Prinzipiell ist dies kein Wunder, denn in einer zunehmend individualisierten und fragmentierten Gesellschaft wäre es eine Überraschung, wenn sich eine große Mehrheit der Bevölkerung bei politischen Fragen auf lediglich zwei Politikangebote einigen könnte. Die Zersplitterung der Parteienlandschaft ist das Spiegelbild einer zunehmend „diversen“ Gesellschaft. Darüberhinaus ist das Wahlergebnis aber auch ein weiterer Beleg für den Vertrauensverlust, den die großen Parteien aus inhaltlichen Gründen und aufgrund des Politikstils erlitten haben. Bemerkenswert ist, dass das tendenziell konservative Spektrum in Bayern zusammen immer noch auf fast 60 % der Stimmen kommt – nur verteilen sie sich inzwischen auf drei Parteien. Die bundespolitischen Konsequenzen sind noch nicht absehbar, vorerst geht der Blick auf die Hessen-Wahl in zwei Wochen.