01.02.2019 — Berenberg steigert Marktanteile bei sinkendem Ergebnis

  • Emissionsvolumen in Equity Capital Markets steigt von 8,6 auf 16,7 Mrd. Euro
  • Umsätze im Aktienhandel legen um 25% zu
  • Börseneinbruch sorgt für deutlichen Ergebnisrückgang 

Hamburg. Die Privatbank Berenberg konnte 2018 erneut Marktanteile gewinnen, hat das Geschäftsjahr aber mit einem deutlich zurückgegan-genen Jahresüberschuss von 23 Mio. Euro (Vj. 90 Mio.) abgeschlossen. 

„Das Jahr 2018 war das schwierigste Börsenjahr seit zehn Jahren. Es hat für uns Licht und Schatten gezeigt“, so Dr. Hans-Walter Peters, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter. „Wir konnten unsere Marktposition in wichtigen Geschäftsfeldern weiter ausbauen und haben Marktanteile gewonnen. Allerdings konnten wir durch die turbulente Marktsituation zum Jahresende nicht an die außergewöhnlich guten Ergebnisse der Vorjahre anknüpfen. Als inhabergeführte Privatbank steht bei uns die langfristige Entwicklung des Unternehmens an erster Stelle. Wir haben ein sehr gutes Geschäftsmodell, das von den Kunden honoriert wird. Dies ist uns wichtiger als ein einzelnes Jahresergebnis.“

Berenberg musste umfangreiche Ressourcen für die Umsetzung regulatorischer Maßnahmen (im Wesentlichen MiFID II) aufbauen, die nach erfolgreichem Abschluss Ende 2018 wieder abgebaut wurden. Die Bank hat sich von etwa 150 Mitarbeitern insbesondere in den Bereichen IT und Investment Banking getrennt, was zu Restrukturierungskosten im deutlich zweistelligen Millionenbereich geführt hat. Zur Verringerung der regulatorischen Komplexität hat die Bank Ende 2018 über 80% der Anteile an der Berenberg Bank (Schweiz) AG verkauft und wird Anfang 2019 die Niederlassung in Wien schließen, da das dort angesiedelte Fixed-Income-Geschäft unter MiFID II nicht mehr sinnvoll betrieben werden kann.

Die Mitarbeiterzahl in der Gruppe erhöhte sich 2018 von 1.474 auf 1.640 (jeweils ohne Berenberg Bank (Schweiz) AG). „Insbesondere die Präsenz an den internationalen Finanzplätzen Frankfurt (121 Mitarbeiter), London (398) und New York (68) ist für unser Geschäft wichtig“, erläutert Hendrik Riehmer, persönlich haftender Gesellschafter. „Wir sehen für unser Geschäft keine gravierenden Auswirkungen durch den Brexit.“

Nachdem der Provisionsüberschuss 2017 um über ein Drittel von 254 Mio. auf 343 Mio. Euro gestiegen war, ging er nun um 19% auf 279 Mio. Euro zurück. Hauptgrund hierfür war die Marktsituation zum Jahresende. Der Zinsüberschuss sank aufgrund der Minuszinspolitik der Europäischen Zentralbank von 67 auf 53 Mio. Euro, der Handelsüberschuss von 21 auf 19 Mio. Euro.

Die Verwaltungsaufwendungen sind insbesondere vor dem Hintergrund des Ausbaus des Geschäftes, von Investitionen in die IT und Restrukturierungskosten im deutlich zweistelligen Millionenbereich von 348 auf 372 Mio. Euro gestiegen, davon waren 226 (211) Mio. Euro Personalkosten.

Das verwaltete Vermögen konnte trotz der Marktverwerfungen nahezu konstant bei 36,7 Mrd. Euro (Vj. 37,0 Mrd.) gehalten werden (Berenberg Gruppe ohne Berenberg Bank (Schweiz) AG).

Der Jahresüberschuss sank von 90 Mio. auf 23 Mio. Euro.

Die harte Kernkapitalquote liegt bei guten 13,2% (14,1%). „Wir sind damit sehr gut kapitalisiert und mit unserer regionalen Diversifizierung und breiten Geschäftsbasis hervorragend aufgestellt“, resümiert Peters. Darüber hinaus hat die Bank für 2019 Reserven gelegt.

Wealth and Asset Management
„Wir haben 2018 erneut in den Ausbau unseres Wealth and Asset Management investiert“, sagt Peters. „Das Fondsgeschäft wurde weiter ausgebaut. Hier konnten wir insbesondere eine deutliche Nachfrage im Small- und Micro-Cap-Bereich verzeichnen.“ Neben den gut gestarteten Aktienfonds wurden zum Jahresende weitere Fonds im Multi-Asset-Bereich und im Bereich nachhaltiger Investments aufgelegt.

„Wir haben frühzeitig erkannt, dass durch MiFID II ein Wechsel von der Anlageberatung hin zur Vermögensverwaltung stattfinden wird und uns entsprechend aufgestellt“, erklärt Peters. Die im Wealth Management von Berenberg betreuten Kunden nehmen heute überwiegend die Vermögensverwaltung in Anspruch, die deutlich ausgebaut werden konnte. Als Folge von MiFID II reduzierte sich hingegen die Anlageberatung und das dort umgesetzte Geschäftsvolumen um etwa 50%. „Dies ist ein Beispiel dafür, wie falsche Schwerpunktsetzungen in der Regulierung den Kunden bevormunden und in das Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Bank eingreifen“, so Peters. Stark gefragt waren ergänzende Investmentlösungen, wie zum Beispiel Anlagen in Immobilien oder digitale Infrastruktur. „Uns ist es wichtig, in einem von Standardisierung geprägten Marktumfeld unseren Kunden individuelle Beratung zu bieten und besondere Investitionsmöglichkeiten zu erschließen“, erklärt Peters. Gerade anspruchsvolle Kunden mit komplexen Aufgabenstellungen honorieren das Angebot, sodass Berenberg 2018 in den Kernzielgruppen wachsen konnte.

Investment Banking
Bei Börsengängen und Kapitalerhöhungen hat Berenberg seine führende Position im deutschsprachigen Raum erneut bestätigen können, im britischen ECM-Geschäft (Equity Capital Markets) konnte die Bank ihre Marktstellung festigen und in den USA bei ersten Transaktionen beraten. Trotz des sehr wechselhaften Kapitalmarktumfeldes hat sie an 48 Transaktionen (Vj. 51) mitgewirkt. Das Emissionsvolumen hat sich von 8,6 auf 16,7 Mrd. Euro fast verdoppelt. Im gesamteuropäischen ECM-Geschäft zählte Berenberg 2018 erstmals nach Transaktionsvolumen zu den Top-10-Investmentbanken. Auch die Umsätze im Aktienhandel stiegen deutlich – um 25%.

„MiFID II hat einerseits zu einem Ausleseprozess bei den Researchhäusern geführt, von dem Berenberg mit seinem qualitativ hochwertigen und breiten  Research profitiert hat. So konnten wir die Geschäftsbeziehung mit 95% unserer Kunden sichern. Andererseits sind die branchenweit vereinnahmten Gebühren im Investment Banking durch die Regulierung deutlich gesunken, was auch wir zu spüren bekommen haben“, so Riehmer.

„Wir sind mit unserer Performance in den europäischen Märkten sehr zufrieden, aber Wachstum ist aufgrund unserer starken Marktstellung herausfordernd“, erklärt Riehmer. „Wachstumsmöglichkeiten sehen wir insbesondere in Großbritannien und den USA.“
Heute covern 87 Analysten in London 761 Unternehmen und 12 Analysten in New York 95 Unternehmen. Damit wurde die Anzahl der bewerteten Unter-nehmen in den letzten drei Jahren um 70% erhöht. Berenberg erstellt heute Research über 150 US-Werte und will diese Zahl in den nächsten zwei Jahren verdoppeln, der Fokus liegt dabei auf wenig beachteten Mid-Cap-Werten.

Corporate Banking
Das Corporate Banking hat sich in den letzten Jahren neben der Betreuung anspruchsvoller Firmenkunden auch als Asset Manager für illiquide Alternative Assets etabliert. Berenberg begleitet insbesondere für institutionelle Investoren, aber auch für große Familienvermögen, Kreditengagements aus dem Transaktionsgeschäft. So ist die Bank für Kreditsuchende ein guter und verlässlicher Partner und kann Investoren Zugang zu Transaktionen mit einem sehr guten Chancen-Risiko-Profil bieten. 2018 wurden beispielweise ein Structured-Finance-Kreditfonds unter dem Dach des Berenberg Alternative Assets Fund in Höhe von 350 Mio. Euro aufgesetzt, mit dem Berenberg Digital Infrastructure Debt Fund bereits der dritte Infrastrukturfonds initiiert und die erste institutionelle Finanzierungslösung im deutschen Schienenpersonenverkehr für zwei große deutsche Versicherer umgesetzt.

Der Geschäftsbericht erscheint am 29. April 2019.

Sandra Hülsmann
Telefon: +49 40 350 60-8357