02.06.2017 — Handelsblatt-Anlageempfehlung - Im Trump-Sumpf?

Henning Gebhardt ist Leiter Wealth and Asset Management bei Berenberg.

Seit der Amtseinführung von Donald Trump schauen Investoren jeden Tag gespannt auf die neuesten Nachrichten aus den USA. Die Hoffnungen auf die Verringerung von regulatorischen Auflagen oder eine groß angelegte Steuersenkung scheinen vorerst dahin. Jetzt heißt die morgendliche Frage: Gibt es einen neuen Skandal oder einen übel gelaunten Tweet? Mittlerweile wird eher darüber diskutiert, wann Donald Trump des Amtes enthoben wird und nicht ob.

Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung. Groß war die Freude nach der Wahl über die vermeintlichen Steuersenkungen für kleinere Unternehmen, die Verbesserungen der steuerlichen Behandlung von Auslandsgewinnen oder die Reduzierung der regulatorischen Auflagen für Finanzinstitute. Die Aktien von kleineren und mittelgroßen Unternehmen sprangen zum Teil deutlich an. Auch Banken wie JP Morgan oder Goldman Sachs konnten zulegen. Der marktbreite Aktienindex S&P 500 liegt seit dem Wahltag fast zweistellig im Plus. Jetzt stellt sich die Frage, warum der Markt diese schnellen Gewinne nicht wieder abgegeben hat. Geben sich die Anleger einer trügerischen Hoffnung hin?

In diesem Fall lohnt ein Blick hinter die Kulissen des Marktes. Die gute Entwicklung hat gar nicht mehr so viel mit dem Trump-Effekt zu tun. Vielmehr wurden die Hoffnungen schnell wieder ausgepreist. Dies lässt sich an der Entwicklung von zyklischen, mehr inlandsorientierten kleineren Unternehmen ablesen. Die Entwicklung des Russell2000 ist in diesem Jahr eher enttäuschend. Es hat im Markt eine dramatische Rotation gegeben. Mit einem Mal standen die Verlierer des letzten Jahres auf den Kauflisten der Anleger ganz oben. Noch wichtiger für den Gesamtmarkt war aber die sensationelle Entwicklung der sogenannten FANGs (Facebook, Amazon, Netflix und Google). Es bleibt abzuwarten, ob diese Werte weiter zulegen. Dieses erscheint unwahrscheinlich und damit dürften neue Höchstmarken für den S&P dann nur möglich sein, wenn die Fantasie auf Steuersenkungen zurückkehrt.

 

Die Empfehlung ist eine Einschätzung des Autors.

Sandra Hülsmann
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