19.04.2017 — Handelsblattempfehlung - Wer gewinnt?

Henning Gebhardt ist Leiter Wealth and Asset Management bei Berenberg.

Dass der 10. April 2017 in die Geschichtsbücher eingeht, ist wenig wahrscheinlich, aber für den Elektroautohersteller Tesla war dieser Tag sicherlich relevant. Denn da wurde Tesla mit einer Marktkapitalisierung von 51 Milliarden Dollar vor GM und Ford erstmals der wertvollste Automobilhersteller der USA. Auf den ersten Blick überrascht diese Situation, denn Tesla schrieb 2016 einen Verlust von über 700 Millionen Dollar und verkaufte in den ersten drei Monaten des Jahres knapp 25 000 Einheiten des Model S und X, während GM 690 000 und Ford 617 000 Fahrzeuge allein in den USA absetzten. Auf den zweiten Blick zeigt es aber auch, dass der Trend der Elektromobilität die Investoren begeistert.

Mit der „Dieselgate-Affäre“ ist auch hierzulande deutlich geworden, dass an sauberen Antriebstechniken kein Weg vorbeiführt. Aktuell scheint Tesla bei Investoren die Nase vorn zu haben, zumal mit dem neuen Model 3 ein Auto zu Einstiegspreisen angeboten werden soll. Auch die Produktionskomplikationen sollen gelöst sein und der Wochenproduktion von knapp 5 000 Stück nicht im Wege stehen. Die etablierten Spieler schlagen jetzt aber zurück und investieren massiv. 2016 stellte Volkswagen mit 13 Milliarden Dollar das größte Forschungsbudget in der Autobranche. Entsprechend befinden wir uns im Rennen um die Elektromobilität in der heißen Phase. Da sich noch keine klaren Tendenzen ausmachen lassen, ist es schwierig, auf das richtige Pferd zu setzen. Paradoxerweise fallen bei Daimler die Kurse, wenn Investitionen in E-Mobilität angekündigt werden, während sie bei Tesla steigen. Eine alte Börsenweisheit sagt aber: „Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln!“ Im Falle der Elektromobilität trifft dies auf die Zulieferindustrie zu, wo Technologiefirmen wie Infineon und Texas Instruments wichtige Bestandteile der Lieferkette besetzen. Somit bleibt für Investoren die Wahl zwischen dem richtigen Pferd und einer technischen Schaufel.

Die Empfehlung ist eine Einschätzung des Autors.

Sandra Hülsmann
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