15.09.2017 — HWWI/Berenberg-Städteranking: München verteidigt Spitzenplatz – Drei Städte im Osten Deutschlands unter den Top 5

• Leipzig (Rang 2), Dresden (4) und Berlin (5) unter den Top 5
• Ehemaliger Dauersieger Frankfurt auf Platz 3
• „Rote Laterne“ für Gelsenkirchen

Hamburg/Frankfurt. München ist erneut Sieger im HWWI/Berenberg-Städteranking. Die bayerische Landeshauptstadt schafft es zum zweiten Mal nach 2015 an die Spitze der 30 größten Städte Deutschlands. Aufsteiger Leipzig klettert auf Rang 2. Gemeinsam mit Dresden (4) und Berlin (5) sind erstmals drei Städte im Osten Deutschlands unter den Top 5. Frankfurt holt einen Platz auf und steigt auf Rang 3. Am Ende des Feldes übernimmt in diesem Jahr Gelsenkirchen das Schlusslicht in puncto Zukunftsaussichten.


Bereits zum fünften Mal haben das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) und die Privatbank Berenberg die 30 größten Städte Deutschlands auf ihre Zukunftsfähigkeit untersucht. „Für den Wohlstand einer Region ist die dynamische Entwicklung der Großstädte von Bedeutung. Ihr Erfolg trägt somit entscheidend zur Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes bei“, sagt Dr. Hans-Walter Peters, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Berenberg. 


Die Bedeutung der Städte als Lebens- und Wirtschaftsraum nimmt weiter zu. Derzeit leben 23 % der deutschen Bevölkerung in den 30 größten Städten. Hier wachsen die Bevölkerung und die Produktivität schneller als im Bundesdurchschnitt. „Um sich erfolgreich im Standortwettbewerb zu positionieren, müssen Städte attraktive Rahmen- und Standortbedingungen bieten, die Unternehmen und Menschen anziehen“, erläutert Peters. „Ihr Erfolg hängt auch davon ab, wie der ökonomische Strukturwandel hin zu wissensintensiven Dienstleistungsbranchen und forschungsintensiven Industrien vollzogen werden kann.“


Untersucht werden die Städte hinsichtlich ihrer gegenwärtigen ökonomischen Leistungsfähigkeit (Trendindex), ihrer zukünftigen demografischen Entwicklungstendenzen (Demografieindex) sowie wesentlicher Standortfaktoren wie Bildung, Innovation, Internationalität und Erreichbarkeit (Standortindex). Dabei beeinflussen sich ökonomische und demografische Entwicklungen gegenseitig. Unternehmen wissensintensiver Branchen finden in Städten ein größeres Angebot an qualifizierten Arbeitskräften. Das Bildungsniveau der Stadtbevölkerung ist hoch, und Universitäten und Forschungseinrichtungen befinden sich überwiegend in urbanen Zentren. „Regionale Ballungszentren steigern den Austausch sowie die Arbeitsteilung und Spezialisierung in der Wissensökonomie, was sich positiv auf die Entwicklung der Städte auswirkt“, sagt HWWI-Direktor Prof. Dr. Henning Vöpel.


Das Ranking
München steht auch 2017 unangefochten an der Spitze der 30 betrachteten Städte. Sowohl bei der ökonomischen Leistungsfähigkeit als auch bei den Standortfaktoren liegt die Bayernmetropole vorn. Die Prognosen zur demografischen Entwicklung sind erstklassig. „Damit festigt die bayerische Landeshauptstadt ihre Wettbewerbsposition als herausragende Wissensmetropole gegenüber den anderen Städten vor dem Hintergrund überdurchschnittlich guter ökonomischer Zukunftsaussichten“, sagt Vöpel. Mit 31,4 % ist der Anteil der Arbeitnehmer mit Fach- und Hochschulabschluss so hoch wie in keiner anderen Stadt. Fast jeder zweite Beschäftigte (48,5 %) arbeitet in einem wissensintensiven Wirtschaftszweig. Dabei stieg die Anzahl der Erwerbstätigen von 2011 bis 2014 im Städtevergleich prozentual am zweitstärksten (+6,2 %). Auch in Bezug auf Internationalität ist München gut aufgestellt. Der Anteil ausländischer Beschäftigter ist mit 18,4 % am höchsten. Der Ausblick für die bayerische Landeshauptstadt ist ausgezeichnet: Bis zum Jahr 2030 wird der höchste prozentuale Zuwachs bei  der Bevölkerungszahl (+16 %) und der höchste absolute Zuwachs bei den Erwerbspersonen (+31.500) erwartet. Dabei entwickelt sich vor allem die Bevölkerung der unter 20-Jährigen überdurchschnittlich. „Da Fachkräfte zum entscheidenden Engpassfaktor im Wettbewerb um die Ansiedlung von wissensintensiven Unternehmen werden können, wird die künftige Wettbewerbsfähigkeit einer Stadt zunehmend von der Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bestimmt. München ist nicht zuletzt aufgrund des hohen Anteils hochqualifizierter Arbeitskräfte und wissensintensiver Branchen sehr gut aufgestellt“, erläutert Peters. Lediglich bei den Schulabgängern mit Hochschulreife sowie bei der durchschnittlichen Erreichbarkeit liegt München auf dem vorletzten Platz, bzw. im unteren Mittelfeld. 


Mit Leipzig ist erstmals eine Stadt aus den neuen Bundesländern auf Platz 2 des Rankings zu finden. Damit hat die größte Stadt Sachsens eine rasante Aufholjagd seit 2008 hingelegt. Leipzig zeigt hinsichtlich der ökonomischen Leistungsfähigkeit die höchste Dynamik unter allen untersuchten Städten. Die zehntgrößte Stadt Deutschlands konnte mit fast 10 % das höchste Bevölkerungs- und mit 7 % das höchste Erwerbstätigenwachstum aller 30 Städte verbuchen. Das Produktivitätswachstum ist zudem das dritthöchste im betrachteten Zeitraum (2011 bis 2014). Auch bei der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung, vor allem bei den unter 20-Jährigen (+27 %), liegt Leipzig in den Prognosen vorn. „Die ostdeutschen Städte Leipzig und Dresden holen weiter auf und haben gute Zukunftsaussichten“, sagt Vöpel. Die zunehmende Dynamik im Trend- und Demografieindex ist in Leipzig im Vergleich so hoch, dass das schlechte Abschneiden im Standortindex seit Jahren überkompensiert wird. „Die unterdurchschnittlich ausgeprägten Standortfaktoren Bildung und Innovation, Internationalität und Erreichbarkeit stellen allerdings für die weitere Entwicklung Leipzigs ein Risiko dar“, so Vöpel.


Frankfurt am Main kann im Vergleich zum Ranking 2015 einen Rang gutmachen (Platz 3). Damit hat die Mainmetropole ihre Wettbewerbsposition wieder leicht verbessert, nachdem sie das Ranking in den Jahren 2008, 2010 und 2013 noch als Sieger dominierte. Frankfurt verbesserte sich hinsichtlich seiner ökonomischen Leistungsfähigkeit und seiner demografischen Entwicklung. So wuchs die Bevölkerung in der Mainmetropole mit 8,3 % am zweitstärksten. Zum anderen führt die Stadt seit 2008 mit sehr positiven Standortausprägungen in den Bereichen Internationalität, Erreichbarkeit sowie Bildung und Innovation unverändert den Standortindex an.

Neben Leipzig macht auch Dresden einen gewaltigen Schritt nach vorn und nimmt nun Rang 4 ein. Die sächsische Landeshauptstadt erzielte im Zeitraum 2011 bis 2015 nicht nur einen Bevölkerungszuwachs von 5 %, auch bei der zukünftigen Entwicklung der unter 20-jährigen Bevölkerung wird das zweitstärkste Wachstum (+21 %) nach Leipzig erwartet. Zudem weist Dresden die höchste Geburtenrate unter den 30 Städten auf. Bei den Standortfaktoren erreicht Dresden nur das untere Mittelfeld, steht damit aber noch deutlich besser da als der größere sächsische Nachbar Leipzig.


Berlin fällt nach dem zweiten Platz im Städteranking 2015 auf den fünften Rang zurück. Hintergrund ist die schwache Produktivitätsentwicklung, die unter dem Durchschnitt der 30 größten Städte lag. Dennoch ist Berlin eine der dynamischsten Städte, insbesondere was den absoluten Bevölkerungszuwachs angeht. Gute Standortfaktoren, insbesondere die Internationalität und Erreichbarkeit, tragen zur Entwicklung bei.


Gute Zukunftsperspektiven eröffnen sich auch für Köln, Wiesbaden, Hamburg, Stuttgart und Düsseldorf (Ränge 6 bis 10), da sie in allen Bereichen ausgeglichene Bedingungen für Wirtschaft und Menschen bieten. „Diese Städte offenbaren alle keine wesentlichen Schwächen und zeigen in den Rankings seit Jahren eine weitgehende Konstanz“, sagt Vöpel.


Die Städte Wuppertal, Mönchengladbach, Bochum, Duisburg, Chemnitz und Gelsenkirchen (Ränge 25 bis 30) liegen am unteren Ende des Rankings. Gegenüber 2015 zeigen sie keine wesentlichen Veränderungen in ihrer Positionierung. Chemnitz, das in den vorherigen Rankings jeweils den letzten Platz einnahm, macht durch eine deutliche Verbesserung im Trendindex einen Rang gut. „Insbesondere in Nordrhein-Westfalen entwickeln sich einige der Großstädte nach wie vor unterdurchschnittlich. Das ist in erheblichem Maße auf den noch ausstehenden Strukturwandel der Städte hin zur Wissenswirtschaft zurückzuführen“, erläutert Vöpel. Viele der 30 Großstädte sind sehr gut, andere deutlich schlechter für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet. „Es besteht die Gefahr, dass sich der Abstand zwischen den dynamischen und ökonomisch erfolgreichen Städten auf der einen Seite und den Städten, die am unteren Ende des Rankings stehen und Defizite aufweisen, noch vergrößern wird“, resümiert Peters.


Schlaglichter:
Einwohnerzahl: Berlin ist mit 3,5 Mio. Einwohnern die größte Stadt, Kiel und Aachen sind mit etwa 246.000 Einwohnern die kleinsten Städte im Ranking.
Lage: Lediglich vier der größten Städte, die im Städteranking untersucht wur-den, liegen im Osten Deutschlands, während Nordrhein-Westfalen allein mit 13 Städten vertreten ist.
Bevölkerungswachstum: Die größten Anstiege (2011 bis 2015) verzeichneten Berlin (194.029), München (85.461) Hamburg (69.221) und Frankfurt am Main (56.155). Leipzig und Köln wuchsen um 50.429 bzw. 46.917 Einwohner. Die Ruhrgebietsstädte Bochum, Duisburg und Gelsenkirchen, die in den letzten Jahren leicht rückläufige Bevölkerungsentwicklungen aufwiesen, konnten einen Zuwachs verzeichnen.
Bevölkerungsdichte: In München wohnen mit 4.670 Einwohnern 4,5-mal so viele Menschen auf einem Quadratkilometer wie in Münster (1.020).


Die Wertung
Für alle untersuchten Städte wurden 18 Einzelindikatoren in drei Teilindizes (Trend-, Demografie- und Standortindex) berücksichtigt. Die drei Indizes fließen zu gleichen Teilen in das Gesamtranking ein:
Der Trendindex untersucht Veränderungen in der ökonomischen Leistungsfähigkeit der jüngsten Vergangenheit. Er bewertet die Dynamik der aktuellen Entwicklungen in Bevölkerungszahl, Erwerbstätigkeit und Produktivität.
Der Demografieindex beinhaltet Faktoren, die die demografischen Entwicklungstendenzen bis zum Jahre 2030 abbilden, außerdem fließen die durchschnittlichen Fertilitätsraten ein.
Der Standortindex berücksichtigt die Standortfaktoren Bildung und Innovationsfähigkeit, Internationalität und Erreichbarkeit.

 

 

Sandra Hülsmann
Telefon: +49 40 350 60-8357