In dieser Ad-hoc-Kommunikation beleuchten wir die Auswirkungen der Festnahme von Nicolás Maduro auf die Märkte.

Kapitalmärkte - Ad Hoc | 05. Jan 2026

Was bedeutet Maduros Sturz für die Märkte?

Lesedauer: 10 MIN

Die US-Militäroperation, die in der Festnahme von Nicolás Maduro resultierte, markiert einen geopolitischen Wendepunkt in Venezuela mit ambivalenten Folgen für die Märkte. Der US-Dollar dürfte von der Demonstration militärischer Stärke und politischer Kontrolle über die Energiereserven profitieren; Edelmetalle bekommen Rückenwind durch die erhöhte geopolitische Unsicherheit und weiterer Bestrebungen den Dollar zu diversifizieren. Da Venezuela im Orinoco Belt über die weltweit größten Ölreserven verfügt, stehen vor allem die Energiemärkte im Fokus der Anleger. Während eine rasche Produktionsausweitung unrealistisch bleibt, dürften eine OPEC+-Disziplin, passive Rebalancierungsströme sowie eine bereits sehr geringe Positionierung den Ölpreis stabilisieren.


Venezolanische Realität: Reserven vs. Produktion

Mit dem Orinoco Belt sitzt Venezuela auf den weltweit größten bekannten Ölreserven, doch die Produktion ist unter dem systematischen Missmanagement des Chavez- und Maduro-Regimes um über zwei Drittel gesunken – von knapp 3 Millionen auf etwa 0,9 Millionen Barrel pro Tag. Venezuela produziert damit nur etwa 1 % der weltweiten Ölförderung. Trump signalisiert durch seine Ankündigung, amerikanischen Ölkonzernen Zugang zu venezolanischen Reserven und der Infrastrukturentwicklung zu gewähren, was eine Neuausrichtung der Energiewirtschaft im Land zur Folge hätte. Die neue Energiepartnerschaft geht vor allem zu Lasten Chinas, das bislang mit rund 80 Prozent der Hauptabnehmer venezolanischen Öls war.

Das entscheidende Hindernis für einen raschen Produktionsanstieg steckt in der Infrastruktur: Venezuela fördert überwiegend Schweröl, welches spezialisierte und teure Förder- und Verarbeitungstechniken erfordert. Die lokale Infrastruktur liegt seit Jahrzehnten brach; Upgrades und Kapitalinvestitionen benötigen Jahre, nicht Monate. Branchenanalysten erwarten zwar mittelfristig einen Anstieg auf über 1 Million Barrel pro Tag, doch Szenarien für schnellere oder höhere Steigerungen wirken verfrüht – ohne massive Investitions- und Explorationsausgaben ist dies kurzfristig unrealistisch. Ob und wie schnell massive Infrastrukturinvestitionen seitens amerikanischer Ölkonzerne kommen, bleibt jedoch fraglich. Bei einem Brent Ölpreis von rund 60 USD pro Barrel und den gleichzeitig hohen Förderkosten venezolanischen Schweröls dürfte die Motivation hierfür gedämpft sein.


Ölpreise: Warum „Sell-the-News" Aufwärtsrisiken überwiegen

Trotz bevorstehendem Angebotsanstieg sollte die Brent-Ölpreis kurzfristig nicht dramatisch fallen. Drei Faktoren stützen diese Einschätzung:

1) Historische „Sell-the-News"-Muster

Vergleichbare Angebots-Events (Sanktionsaufhebung Iran 2016, Irak 2003) zeigen: Die negative Preiskorrektur vollzieht sich vor dem eigentlichen Event, nicht danach. Antizipationshändler haben Abwärtsrisiken bereits eingepreist; der offizielle Zugang zu venezolanischen Reserven dürfte keine Preisstürze auslösen.

Venezuelas Ölproduktion ging während dem Chavez- und Maduro-Regime deutlich zurück

Venezolanische Ölproduktion in 1.000 Barrels-pro-Tag

Zeitraum: 31.12.1962-31.12.2025
Quelle: OPEC, eigene Berechnung

2) Niedrige Futures-Positionierung

Die Netto-Positionierung in den Terminmärkten liegt deutlich unter den langfristigen Durchschnittswerten. Aus Positionierungssicht sind Angebotsrisiken somit gut im Preis abgebildet. Eine durch die Positionierung angetriebene Aufwärtsreaktion ist wahrscheinlicher als ein Crash.

3) Passive Index-Rebalancierungsflüsse als Preisunterstützung

Die jährliche Rohstoffindex-Rebalancierung (Mitte Januar) erzeugt eine technische Nachfrage. Während Gold und Silber von Indextracker-Fonds wegen der starken Outperformance und damit „zu hohen“ Indexgewichten verkauft werden, dürften regelbasierte Strategien Öl-Futures nachkaufen, um auf die neuen Zielgewichte in den Rohstoff-Indizes zu kommen.

Die OPEC+-Disziplin und Saisonalität unterstützen den Ölpreis ebenfalls: Die OPEC+ hält ihre Förderkürzungen auch über den März hinaus zunächst bei; zudem spricht die typische Öl-Saisonalität bis Mitte 2026 für tendenziell steigende Preise.


Rohstoffe & Edelmetalle: Unsicherheitsprämie und Rohstoff-Zyklus

Die Maduro-Operation erhöht die geopolitischen Risiken deutlich: UN-Debatten zur Legalität, potenzielle Reaktionen rivalisierender Staaten und militärische Eskalationsrisiken treiben die klassische Nachfrage nach sicheren Häfen wie Gold und Silber. Dies passt perfekt ins etablierte frühe Rohstoff-Zyklus-Muster, in dem Edelmetalle die Rally anführen, bevor zyklische Rohstoffe (Industriemetalle, später Öl) folgen. Zyklische Rohstoffe profitieren indirekt von einer „USdominierten Lieferketten-Sicherung“ – weniger von direkten Venezuela-Effekten, mehr vom strukturellen Wandel hin zu transatlantischer Ordnung.


US-Dollar: Petrodollar-System am Leben erhalten

Die USD-Perspektive ist positiv. Die US-Intervention demonstriert die militärische Kontrolle über Schlüssel-Energiereserven und zementiert damit - zunächst - die Architektur des Petrodollar-Systems (Ölpreisgestaltung in USD, ErlösRecycling in US-Anlagen). Indem die USA Ölflüsse, Zahlungsströme und Sanktionsmacht steuern, wird der Dollar als Leitwährung des globalen Energiesystems abgesichert.

Zusätzlich verstärkt die geopolitische Unsicherheit die Nachfrage nach dem Dollar als globalem sicheren Hafen. Konkurrenten wie China werden aus dem venezolanischen Ölmarkt verdrängt; die geoökonomische Neukalibrierung erhöht die USD-denominierten Transaktionen.

Netto-Öl-Positionierung historisch niedrig

Netto-Öl-Positionierung von nicht-kommerziellen Händlern

Zeitraum: 02.01.2016-02.01.2026
Quelle: Bloomberg, eigene Berechnung

Öl-Saisonalität bleibt bis zur Jahresmitte unterstützend

Kumulative Performance von Brent Crude über das Kalenderjahr

Zeitraum: 01.01.2000-31.12.2025
Quelle: Bloomberg, eigene Berechnung

Autoren

Ulrich Urbahn
Leiter Multi Asset Strategy und Portfoliomanagement Alternatives
Dejan Djukic
Leiter Portfoliomanagement
Fabian Birli
Multi Asset Strategy & Research Analyst
Mirko Schmidt
Multi Asset Strategy & Research Analyst