Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Weltwirtschaft zeigte sich im ersten Halbjahr 2026 trotz des geopolitischen Chaos insgesamt robust. Getrieben von einem soliden globalen Konjunkturpfad, unterstützender Geld- und Fiskalpolitik sowie dem KI-Boom konnte der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten nach dem Kursfeuerwerk 2025 grundsätzlich anhalten, auch wenn die Volatilität – insbesondere unterhalb der Oberfläche – klar zugenommen hat. Die USA profitierten von einem starken Wachstum und einer ausgeprägten KI-Dynamik, während sich Europa als Nettoenergieimporteur mit höheren Energiekosten, einer Wachstumsflaute und einer schwachen Gewinnentwicklung konfrontiert sah. Neben den US-Aktien gehörten andere KI-Profiteure, etwa aus Südkorea und Taiwan zu den klaren Gewinnern der ersten Jahreshälfte 2026. Staatsanleihen und Edelmetalle taten sich durch die im Zuge des Irankrieges gestiegenen Leitzinserwartungen und langfristigen Renditen schwer.
Vor diesem Hintergrund bleibt unser Basisszenario für das zweite Halbjahr vorsichtig optimistisch. Zwar bleiben Konjunktur-, Inflations- und geopolitische Risiken auch nach Beendigung des Irankrieges aufgrund immer noch erhöhter Energiepreise präsent oder nehmen rund um die US-Zwischenwahlen sowie der anziehenden IPO-Aktivität sogar zu. Gleichzeitig stützen jedoch eine global expansive Fiskalpolitik, robuste Unternehmensgewinne, reichlich Liquidität und der säkulare KI-Wachstumsmotor die Märkte. Solange weder eine deutliche Straffung der US-Geldpolitik noch eine Rezession absehbar sind, sehen wir keinen Grund, Aktien strategisch zu untergewichten. Beide Szenarien halten wir zumindest auf kurze Sicht für unwahrscheinlich.
Entsprechend fahren wir weiterhin eine moderate Aktienübergewichtung mit Präferenz für die USA, ausgewählte Schwellenländer und KI-Gewinner, ergänzt um selektive Value-Sektoren wie Banken und Rohstoffaktien. Edelmetalle bleiben aus unserer Sicht trotz der jüngsten Korrektur ein wichtiger Portfoliobaustein, da höhere Staatsverschuldungen und strukturell erhöhte Inflation das Argument für Sachwerte untermauern.
Mit dem Ende des Irankrieges dürften die makroökonomischen Gegenwinde zudem allmählich wieder abnehmen. Bei Staatsanleihen – vor allem im Kernsegment – bleiben wir angesichts steigender Neuemissionen, schwächerer Diversifikationseigenschaften und der zunehmenden Konkurrenz durch die Finanzierung großer KI-Investitionen untergewichtet. Unternehmensanleihen erachten wir in Relation zu Staatsanleihen trotz der engen Risikoaufschläge als attraktiver. Hierbei steht für uns die Vereinnahmung von Renditeaufschlägen im Vordergrund. Eine erhöhte Kasseposition halten wir bewusst als „trockenes Pulver“ vor, um mögliche Rücksetzer und Phasen erhöhter Volatilität im weiteren Jahresverlauf taktisch zu nutzen.
Im Insights-Interview geht Javier Garcia Laparra, Lead Portfolio Manager des Berenberg Emerging Asia Focus Fonds, auf Opportunitäten in Asien auch abseits des KI-Sektors näher ein.
Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und erholsame Sommertage!
Ulrich Urbahn
Herausgeber

Ulrich Urbahn
Ulrich Urbahn ist CFA-Charterholder und gehörte bei der renommierten Extel-Umfrage jahrelang zu den drei weltweit besten Multi-Asset-Research-Teams an. Nach seinen Diplomen in VWL und Mathematik an der Universität Heidelberg war er mehr als zehn Jahre bei der Commerzbank unter anderem als Senior-Cross-Asset-Stratege tätig. Er arbeitet seit Oktober 2017 für Berenberg und leitet die Abteilungen Multi Asset Strategy & Research sowie Portfoliomanagement Alternatives. Darüber hinaus ist er stimmberechtigtes Mitglied des Investment Committees und für die Kapitalmarktkommunikation verantwortlich.
