Auf den Punkt
Iran-Schock dämpft kurzzeitig die Weltkonjunktur.
Schrittweise Rückkehr zu normalem Wachstum.
Der Fiskalimpuls stützt die deutsche Wirtschaft, aber ohne echte Reformen geht die Standortflucht weiter.
Trotz KI-Boom: Trumps Politik bremst die US-Wirtschaft.
Leitzinsen stabil, sofern der Energieschock bald endet.
Iran-Schock dämpft kurzzeitig die Weltkonjunktur
Nach einem guten Start ins Jahr 2026 hat der Irankrieg die Konjunktur in Europa und vielen Schwellenländern im zweiten Quartal aus dem Tritt gebracht. Während die Eurozone und Großbritannien offenbar in eine Stagflation abgerutscht sind, hat das Wachstum auch in den Ländern Asiens nachgelassen, die sehr auf Energieeinfuhren aus dem Persischen Golf angewiesen sind. In den USA, selbst Nettoenergieexporteur, sind die Schäden weitaus geringer. Aber auch dort leiden die privaten Verbraucher unter den hohen Ölpreisen.
Offenbar haben weder US-Präsident Donald Trump noch das Regime im Iran ein Interesse an einem langen Konflikt. Wir erwarten deshalb, dass nach dem Rahmenabkommen vom 17. Juni die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus nicht erneut für längere Zeit geschlossen wird. Entsprechend kann sich die Weltkonjuktur im zweiten Halbjahr von dem Iranrückschlag erholen. Auch der Inflationsdruck dürfte in den meisten Ländern wieder abnehmen. Der derzeit wenig robuste private Verbrauch erschwert es den Unternehmen, höhere Kosten voll auf die Verbraucher zu überwälzen.
USA: Konsum kann die Konjunktur nicht mehr lange stützen
Die reale Kaufkraft der Verbraucher legt kaum noch zu
Eurozone: Wachstum zum bis Herbst verhalten
Trotz des Trumpschen Zollchaos und der chinesischen Exportschwemme konnte die Wirtschaft der Eurozone im Jahr 2025 mit normalem Tempo wachsen. Rechnet man die volatilen irischen Daten heraus, die das Bild verzerren, legte die Wirtschaft um 1,1 % zu. Die hohen Energiepreise der Monate März bis Mai 2026 sowie die verbreitete Unsicherheit über den Ausgang des Irankrieges haben das Wachstum im zweiten Quartal allerdings zum Erliegen gebracht. Da es vermutlich einige Monate dauern wird, bis die Lage sich halbwegs normalisiert hat, dürfte das Wachstum im dritten Quartal ebenfalls noch verhalten bleiben. Danach kann die Konjunktur wieder an Schwung gewinnen. Für das Gesamtjahr 2026 könnte sich – ohne Irland – ein Zuwachs von 0,6 % ergeben.
Das deutsche Problem
ffentliche Investitionen steigen – aber private Investitionen fallen
Das deutsche Problem
Öffentliche Investitionen steigen – aber private Investitionen fallen
Deutschland: Reformen müssen das Fiskalpaket begleiten
Während sich einstige Krisenländer in Südeuropa zu den neuen Wachstumsmotoren des Kontinents entwickelt haben, lastet die deutsche Dauerschwäche auf dem Ausblick für Europa. Angesichts der steigenden Lohnnebenkosten und der hohen Energiepreise sowie des Mangels an Fachkräften und der Unsicherheit über den künftigen Kurs der deutschen Wirtschaftspolitik halten sich viele Unternehmen mit Investitionen in Deutschland zurück. Die Mehrausgaben für Verteidigung und Infrastruktur stützen zwar zunehmend die Konjunktur. Aber der anhaltende Rückgang der privaten Investitionen gleicht den Zuwachs der öffentlichen Ausgaben bisher weitgehend aus.
Die bisherigen Reformen wie der „Investitionsbooster“ und der „Bauturbo“ haben nicht ausgereicht, die einsetzende Standortflucht vieler Unternehmen zu stoppen. Sollte die Regierung in Berlin allerdings wie geplant in Kürze ein größeres Reformpaket schnüren, könnte dies den Ausblick verbessern. Auch wenn die Reformen wahrscheinlich unvollständig bleiben, rechnen wir doch mit einigen positiven Impulsen. Zusammen mit der weiter zunehmenden Staatsnachfrage könnten bessere Standortbedingungen die privaten Investitionen beleben. Angesichts der Knappheit an Wohnraum wird auch der Wohnungsbau vermutlich ab dem Herbst zum Wachstum beitragen. 2027 kann die deutsche Konjunktur dann um etwa 0,9 % zulegen. Ein Rückgang der Arbeitslosigkeit kann dann auch den privaten Verbrauch zusätzlich anschieben.
Eine bessere deutsche Konjunktur wird auch auf andere europäische Länder ausstrahlen, für die Deutschland oftmals weiterhin der wichtigste Handelspartner ist. Für 2028 erwarten wir deshalb einen Mini-Boom in der Eurozone mit einer Wachstumsrate, die mit 1,6 % über dem Trend von 1,2 % liegen dürfte.
USA dürften langsam an Schwung verlieren
Höhere Zölle, eine ausgeprägte Unsicherheit und der Einwanderungsstopp machen vielen Unternehmen zu schaffen. Die Schäden der Trumpschen Wirtschaftspolitik zeigen sich in einer langsam abnehmenden Dynamik der US-Konjunktur. Auch wenn die jüngsten Steuersenkungen die Konjunktur im zweiten Quartal wahrscheinlich erheblich gestützt haben, dürfte sich das Wachstumstempo danach bei etwa 1,5 % einpendeln. Die Investitionen in künstliche Intelligenz helfen zwar. Allerdings müssen die USA einen großen Teil der Ausrüstung aus Ostasien importieren. Bisher beschert der Boom in künstlicher Intelligenz Taiwan und Südkorea einen größeren Schub als den USA selbst. Der Einsatz künstlicher Intelligenz wird die Produktivität der Wirtschaft gerade in den USA in künftigen Jahren wohl anschieben, aber der Effekt dürfte nicht ausreichen, um die Schäden des Einwanderungsstopps auszugleichen.
Viele US-Bürger stöhnen über den Inflationseffekt des Irankrieges und der Zölle, die Trump 2025 verhängt hat. Bei den Zwischenwahlen zum Kongress am 3. November werden Trumps Republikaner deshalb vermutlich ihre Mehrheit in einer der beiden Kammern, im Abgeordnetenhaus, verlieren. Danach könnte Trump zwar weiter für viele geopolitische Schlagzeilen sorgen. Aber wirtschafts- und finanzpolitisch wäre er dann für seine letzten zwei Amtsjahre eine lahme Ente. Für die US- und die Weltwirtschaft muss das kein Nachteil sein.
EZB und Fed halten still, BoE könnte Ende 2026 Leitzins senken
Viele Zentralbanken haben auf den durch den Irankrieg ausgelösten Inflationsschub reagiert. Der neue Chef der US-Fed, Kevin Warsh, hat die Geldpolitik entgegen der ursprünglichen Hoffnung von Trump im Juni nicht gelockert. Die EZB hat sogar ihren Einlagensatz um 25 Bp auf 2,25 % angehoben. Die Finanzmärkte erwarten, dass die EZB und die Fed ihre Geldpolitik im weiteren Jahresverlauf straffen werden. Allerdings kann der Inflationsschub der vergangenen Monate langsam wieder auslaufen, wenn sich die Ölpreise weiter normalisieren. Deshalb rechnen wir damit, dass Fed und EZB ihre Zinsen im zweiten Halbjahr 2026 nicht anheben werden. Bei kräftig nachlassendem Lohndruck könnte die Bank of England im Dezember sogar die Zinsen senken.
Wachstums- und Inflationsprognosen
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