Aktienmärkte dürften weiterhin volatil bleiben

Das Team Multi Asset Strategy & Research gibt in der aktuellen Horizonte-Publikation einen Ausblick auf das zweite Halbjahr 2026.

Horizonte | Marktausblick

Aktien

Auf den Punkt

  • Globale Leitindizes verbuchen 2026 erneut Kursgewinne trotz Energie- und Zinsschocks. Asiatische Aktien liegen im Performance-Ranking vorne – deutsche Aktien hinten.

  • Starke Unternehmensgewinne, eine brummende US-Wirtschaft, kombiniert mit eher strukturellen Faktoren wie etwa einem starken Geldmengenwachstum, dürften Aktien auch über die kommenden Monate stützen. 

  • Die Volatilität dürfte Anlegern erhalten bleiben – nicht nur wegen der Lage am Golf. Energie-Aktien bleiben neben KI-nahen Sektoren essenzielle Portfoliobausteine. 

Aktien performen solide – trotz zahlreicher Störfeuer

Die globalen Aktienmärkte performten in der ersten Jahreshälfte solide. Alle drei großen Aktienregionen (USA, Europa und Asien) konnten seit Jahresbeginn an Wert gewinnen – trotz des geopolitischen Chaos, gestiegener Zinsen und deutlich höherer Energiekosten. Die Markteuphorie um Chips, KI und Rechenleistung entwickelte sich dabei zu einem zentralen Zugpferd der Hausse und verhalf den Aktienbenchmarks der asiatischen Schwellenländer zu teils parabolischen Kursanstiegen. Doch auch US-Aktien profitierten vom KI-Hype und konnten neue Allzeithochs erreichen. Europäische, vor allem deutsche Aktien, taten sich im globalen Vergleich  zeitweise etwas schwerer. Dabei wirkten zwei Faktoren als Bremsklötze für die hiesigen Märkte: Zum einen ist die Eurozone als Nettoenergieimporteur stärker von steigenden Energiepreisen betroffen. Zum anderen profitieren die europäischen Aktien-benchmarks unterproportional vom gegenwärtigen KI-Hype.

Trotz einer sehr turbulenten ersten Jahreshälfte performten die globalen Aktienindizes solide – deutsche Werte mit roter Laterne

Zeitraum: 22.06.2021 – 22.06.2026
Quelle: Bloomberg *KBV = Kurs-Buchwert-Verhältnis; Div. = Dividendenrendite (%); KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis. Werte basieren auf Schätzungen für die nächsten 12 Monate.

Robuste Fundamentaldaten dürften Aktien weiter stützen

Wir gehen davon aus, dass Aktien ihre Rallye in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen. Diese Einschätzung beruht in erster Linie auf den starken Fundamentaldaten. So liegt etwa die Rate der US-Gewinnrevisionen auf einem der höchsten Niveaus der letzten 20 Jahre. Gleichzeitig zeichnen die Frühindikatoren ein sehr konstruktives Makrobild für die USA. In Kombination mit strukturellen Faktoren wie der wachsenden Geldmenge, einer global expansiven Fiskalpolitik sowie einer mechanisch höheren Aktiennachfrage durch ETF-Sparpläne dürfte dies die globalen Aktienbenchmarks über die kommenden Monate hinweg stützen – auch wenn höhere Zinsen größere Bewertungsausweitungen unterbinden dürften. 

Sehr starke Fundamentaldaten dürften Aktien weiter stützen

Gewinnrevisionen für US-Aktien*: Anteil der Netto-Gewinn-Upgrades für US-Unternehmen über die letzten drei Monate

Zeitraum: 01.01.2001–22.06.2026
Quelle: Factset, Bloomberg, Berenberg. *Bloomberg 500 Index

Zins- und Energierisiken dürften Anlegern erhalten bleiben

Das zweite Halbjahr 2026 dürfte nicht weniger volatil werden als das erste. Der beginnende Wahlkampf um die US-Zwischenwahlen im November, weitere Mega-IPOs in den USA (Anthropic und OpenAI) sowie der Führungswechsel an der Spitze der Fed dürften in ihrer Gesamtheit die Unsicherheit am Markt auch weiterhin erhöht halten. Der Persische Golf bleibt eine zentrale Risikoquelle für die globalen Aktienmärkte – auch nachdem die Konfliktparteien sich auf einen Rahmenvertrag geeinigt haben. So dürfte es Monate dauern, bis sich die Rohstofflieferungen aus der Golfregion wieder normalisieren. Auch mit Blick auf die teils sehr geringen Lagerbestände von Öl(-produkten) dürften Anlegern daher Inflations- und Zinsrisiken auch weiterhin erhalten bleiben. In diesem Umfeld sind Value-Aktien wie Banken und Rohstoffaktien weiterhin essenzielle Portfoliobausteine, sowohl aus Gewinn- als auch aus Diversifikationsaspekten. 

Europäische Aktien benötigen Trendwende auf der Makroseite

Neben selektiven Value-Segmenten bleiben Halbleiter und andere KI-nahe Sektoren für uns als Portfolioübergewicht weiterhin bestimmend. Allein seit Jahresbeginn hat sich die Token-Verwendung für gängige KI-Modelle mehr als verfünffacht – ein klares Zeichen dafür, dass die KI-Adaption in der „Realwirtschaft“ in vollem Gange ist. Dieser fast schon säkulare Wachstumstreiber dürfte KI-nahe Sektoren auch weiterhin stützen. Auf regionaler Ebene dürften die Aktienbenchmarks der asiatischen Schwellenländer, neben ihren US-Pendants, am meisten von der fortschreitenden KI-Implementierung profitieren. Neben attraktiven Bewertungen sowie einer nicht allzu überzogenen Positionierung internationaler Investoren spricht dies auch weiterhin für ein Übergewicht in der Region. 

Europäische Aktien benötigen einen klaren Makroimpuls, um sich gegenüber ihren Pendants aus den USA und Asien zu behaupten. Ein solcher makroökonomischer Katalysator – etwa durch eine schlagartige Normalisierung der Rohstofflieferung aus der Golfregion oder gar Frieden in der Ukraine – steht jedoch noch aus. Daher halten wir europäische Aktien für den Moment leicht unterhalb unserer Benchmarkquote. Sobald sich diese fast schon binären Aufwärtskatalysatoren materialisieren, dürften europäische Aktien Anlegern im Vergleich zu anderen Regionen solides Aufwärtspotenzial bieten.

Wenngleich die Volatilität erhöht bleiben dürfte, gehen wir davon aus, dass Aktien ihre Rallye weiter fortsetzen. In diesem Umfeld bleiben die genannten Value-Segmente und KI-nahe Werte essenzielle Bausteine für unsere Multi-Asset-Portfolios.

Prognoseübersicht: Aktien-Rallye dürfte sich volatil fortsetzen

Berenberg- und Konsensprognose im Vergleich, Werte zum Jahres-ende 2026 und Jahresmitte 2027

* Bloomberg 500 Index; **Durchschnitt, Konsensus Bottom-Up per 22.06.2026
Quelle: Bloomberg, Factset, Berenberg

Was die Unternehmen bewegt

In unseren Gesprächen mit Unternehmen dominieren aktuell zwei Themen: die ungebrochene KI-Investitionswelle und die Folgen des Irankriegs. Die erhöhte geopolitische Unsicherheit lenkte Kapital noch stärker in die als strukturell geltenden KI-Gewinner mit starkem operativem Momentum – insbesondere Halbleiter, Netzwerkinfrastruktur, Stromversorgung und Rechenzentren. Klassische Softwaretitel blieben dagegen unter Druck, da Investoren zwischen echter KI-Monetarisierung und möglicher Disruption durch automatisierte Agenten stärker differenzieren. Energieaktien profitierten im Zuge des Kriegsausbruchs im Iran von den steigenden Ölpreisen, werden seit der Waffenruhe jedoch durch die Aussicht auf eine mögliche Deeskalation und wieder sinkende Ölpreise gebremst. Konsumnahe Titel kämpften derweil mit einer schwachen Verbraucherstimmung und der Sorge vor wieder anziehender Inflation infolge höherer Energie- und Nahrungsmittelpreise. Im Industriesektor zeigten sich einzelne starke Nischen: US-Reshoring, Elektrifizierung und Zulieferer für den KI-Ausbau. Gesundheitswerte und Versorger fanden im KI-dominierten Markt wenig Beachtung. Generell wird Wachstum belohnt und Unsicherheit nur dort ausgeblendet, wo KI einen glaubwürdigen strukturellen Rückenwind bietet. Durch die Themen KI und Iran haben die USA an der Börse derzeit die Nase vorn, wobei in Europa neben KI-Gewinnern auch Banken jüngst wieder eine bessere Performance zeigen. 

Peter Kraus, Leiter Portfoliomanagement Aktien

Autor

Fabian Birli
Multi Asset Strategy & Research Analyst