Der Euro verlor gegenüber dem Dollar gleich doppelt
Der EUR/USD blickt auf eine sehr volatile erste Jahreshälfte zurück. Solide Makrodaten innerhalb der Eurozone, kombiniert mit starken Zuflüssen internationaler Investoren in die europäischen Aktien- und Anleihemärkte, führten zu Jahresbeginn zu einer ordentlichen Aufwertung des EUR/USD. So durchbrach die Einheitswährung der Eurozone im Januar die 1,20er-Marke gegenüber dem Dollar – zum ersten Mal seit 2021. Doch nach dem starken Jahresstart holte die Geopolitik den Euro schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: Der Krieg im Iran sowie der darauffolgende Energiepreisschock führten zu einem deutlichen Rücksetzer des EUR/USD-Wechselkurses. Dabei hatte der Euro gegenüber dem Greenback gleich doppelt das Nachsehen. So hat sich nach Ausbruch des Irankrieges nicht nur die Konjunktur in der Eurozone spürbar abgekühlt, sondern zeitgleich zog durch den globalen KI-Boom das Momentum der US-Wirtschaft deutlich an. Bis zuletzt tendierten die US-Konjunkturüberraschungen auf dem höchsten Niveau seit 2023 – ein klarer Rückenwind für den Dollar gegenüber dem Euro und anderen G10-Währungen.
Auf mittlere Sicht gehen unsere Volkswirte davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum auf beiden Seiten des Atlantiks aber wohl eher wieder etwas angleichen wird – allein schon wegen der einsetzenden Wachstumsimpulse, die von dem hiesigen Fiskalpaket ausgehen. Dies dürfte den EUR/USD zumindest mittelfristig etwas stützen, auch wenn sich die Währung ohne klare Trendwende bei den Konjunkturdynamiken kurzfristig wohl weiterhin schwertun dürfte.
Der USD wird vom starken Konjunkturmomentum gestützt
Gegenüberstellung verschiedener Konjunkturüberraschungs-Indizes
Abwärtspotenzial des Yen dürfte limitiert sein
Der Yen hat sich trotz Interventionen seitens der japanischen Regierung gegenüber Dollar und Euro abgewertet und notiert mittlerweile nahe der jüngsten Tiefststände von 2024. Vor allem das positive Marktumfeld für Risikoanlagen sowie die brummende US-Wirtschaft dürften dabei auf der japanischen Währung lasten. Die Makrolandschaft in Japan spricht eigentlich für den Yen. So hat die Bank of Japan (BoJ) jüngst die Leitzinsen auf ihr höchstes Niveau seit mehr als 30 Jahren angehoben. Darüber hinaus dürfte das massive Fiskalpaket der Takaichi-Regierung nicht nur die japanische Konjunktur mittelfristig weiter ankurbeln, sondern auch die Zinsen auf japanische Anleihen für heimische Investoren auf ein relativ attraktives Niveau festsetzen. Diese makroseitigen Rückenwinde dürften in Kombination mit der mittlerweile sehr bearischen Yen-Positionierung spekulativer Investoren eine weitere größere Yen-Abwertung gegenüber Dollar und Euro mittelfristig unterbinden – vor allem, wenn ähnlich wie 2024 die Aktienvolatilität erhöht bleibt.
Spekulative Yen-Positionierung erreicht Extremniveaus
Netto-Futures-Positionierung in Yen Futures Kontrakten
Wechselkursprognosen
Berenberg- und Konsensprognose im Vergleich, Werte zur Jahresmitte und zum Jahresende 2026 und zur Jahresmitte 2027
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