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Kapitalmärkte - Märkte | Monitor | 02. Nov 2026

Führungswechsel: Ölpreis gibt nicht mehr die Richtung bei US-Zinsen vor

Lesedauer: 15 MIN

Aktueller Marktkommentar

Schwache Quartalszahlen großer Tech-Schwergewichte haben KI-Sorgen am Markt weiter geschürt und auf dem US-Leitindex – angeführt vom Technologiesektor – gelastet. Ein Teil der derzeitigen KI-Skepsis, etwa in Bezug auf die Verschuldungsgrade einzelner Rechenzentrumsbetreiber, scheint gerechtfertigt. Jedoch wirken diese Risiken mit Blick auf die starke Korrektur in KI-nahen Marktsegmenten sowie die nun deutlich reduzierten Aktienquoten diskretionärer Investoren zunehmend eingepreist. Derweil spricht eine Reihe von Faktoren für Aktien. So gibt der US-Markt abseits der Indexschwergewichte in der laufenden Berichtssaison eine ordentliche Figur ab: Über 80 % der Firmen, die ihre Q3-Ergebnisse bereits präsentiert haben, konnten die Gewinnprognosen schlagen. Die Konsens-Gewinnschätzungen wurden entsprechend zuletzt weiter nach oben revidiert. Zudem suggerieren konjunkturelle Frühindikatoren ein robustes US-Wachstumsmomentum. Saisonale Rückenwinde nach den US-Zwischenwahlen dürften Aktien ebenso stützen. In Kombination mit der vorsichtigen Marktpositionierung ergibt sich für Aktien ein solides Chance-Risiko-Verhältnis. Wir halten daher an unserem konstruktiven Aktienausblick fest.

Kurzfristiger Ausblick

Nachdem Präsident Lula in Brasilien überraschenderweise wiedergewählt worden ist, stehen morgen die Zwischenwahlen in den USA im Fokus der Märkte. Die Umfragewerte von Präsident Trump, die jüngst auf den tiefsten Stand gefallen sind, zeichnen zumindest kein aussichtsreiches Bild für die Republikaner. Darüber hinaus dürfte die BoE am Mittwoch zum ersten Mal seit 2023 die Zinsen wieder um 25 Basispunkte anheben. Heute werden zunächst einige Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe aus Europa (Okt.) veröffentlicht. Morgen richtet sich der Blick auf die US-Zwischenwahlen. Am Mittwoch folgen neben den Einkaufsmanagerindizes für Dienstleistungen aus Europa (Okt.) auch die dortigen Verbraucherpreise (Okt.). Neben dem Zinsentscheid der BoE werden am Donnerstag die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe der Vorwoche aus den USA erwartet. Zum Wochenabschluss stehen am Freitag die Industrieproduktionszahlen aus Deutschland (Sep.) sowie die Arbeitsmarktdaten aus den USA (Okt.) auf dem Kalender.

Führungswechsel: Ölpreis gibt nicht mehr die Richtung bei US-Zinsen vor

  • Seit Beginn des Iran-Krieges gab der Ölpreis die Richtung von US-Zinsen vor: Höhere Ölpreise gingen mit höheren Zinsen einher und umgekehrt. 
  • Doch diese Beziehung scheint nun gebrochen. Zinsen 10-jähriger US-Treasuries sind zuletzt um knapp 30 Basispunkte gefallen, obwohl Rohöl bei knapp $120 pro Barrel verharrt. 
  • Statt Inflationssorgen dürften nun KI-Sorgen der bestimmende Faktor am Anleihemarkt sein. Die Korrelation von Treasuries zu Tech-Aktien ist so hoch wie seit Monaten nicht mehr.
Quelle: Bloomberg, Zeitraum: 01.01.2024 – 30.10.2026